Mein Rheinfussball

27.04.2017

Was nun, Effzeh? Fans und DFB auf Konfrontationskurs

Beide Seiten zeigen sich unnachgiebig und uneinsichtig. Ein Dialog erscheint unmöglich – und auch nicht erwünscht. In Köln steht der Effzeh beispielhaft zwischen den Stühlen.

Im Laufe der zweiten Hälfte brannten die Ultras des Effzeh ein wahres Feuerwerk ab. / Bild: Geissblog.Koeln

Das Spiel zwischen der U21 des 1. FC Köln und Rot-Weiß Essen war noch nicht angepfiffen, da ertönte aus dem Fanblock der Gastgeber: „Dietmar Hopp, du Sohn einer Hure!“ Ein Gesang, der keiner weiteren Erläuterung bedarf, nicht zum Spiel gehörte, aber ohne Zweifel eine Reaktion auf die Vorkommnisse des vergangenen Wochenendes waren.

Damit war der Abend aber nicht erledigt. Im Laufe der zweiten Hälfte brannten die Ultras des Effzeh ein wahres Feuerwerk ab, der Fanblock erleuchtete in grellem Rot, als einige Anhänger sich vermummten und Bengalos zündeten. Die Folge: Die Polizei sperrte den Block nach Spielschluss ab, hielt die Fans bis tief in die Nacht vor Ort und nahm die Personalien von insgesamt 173 Personen auf. So ging nur drei Tage nach dem Spiel der Profis gegen Hoffenheim eine weitere FC-Begegnung aufgrund von Vorkommnissen neben dem Platz unrühmlich zu Ende.

Der Eindruck täuscht nicht: Die erneute Provokation, diesmal im kleineren Rahmen in der Regionalliga, war gezielt gesteuert, von den beteiligten Fans in Kauf genommen und sollte ein weiteres Zeichen dessen sein, was der Südkurve 1. FC Köln e.V. am folgenden Tag auf seiner Website kommunizierte: „Einige Pöbeleien werden mit der Zeit langweilig und verstummen. Andere können auch mal lauter werden, wenn sie die nötige Beachtung finden“, ist dort zu lesen.

Der DFB zieht die Rolle des Stärkeren durch

Um diese Beachtung kämpfen diese Fans, die nun in der Kritik stehen, mit gefährlichen Mitteln. Sie kämpfen zudem gegen einen Gegner, der sich ebenso unnachgiebig zeigt – und wohl am Ende am längeren Hebel sitzen wird. Der Deutsche Fußball-Bund hat sich durch seine jüngsten Entscheide in Sachen Sportgerichtsbarkeit noch angreifbarer gemacht also zuvor, zieht seine Linie aber durch. Komme, was wolle. Und genau da liegt das Problem.

Der DFB folgt dem Glauben, dass immer härtere Bestrafungen der Klubs am Ende zum Erfolg führen wird, wenn sich die Vereine schließlich das Geld von den identifizierten Fans zurückholen können. Einen echten Fan-Dialog führt der Verband längst nicht mehr, zumindest keinen ehrlichen. Das, was aktuell geschieht, ist das nötige Alibi, um geruhsam die harte Politik weiter voranzutreiben.

Dem Effzeh droht ein Problem mit seinen Fans

Dies beruht aber auf Gegenseitigkeit, denn auch die Fan-Seite hat kein echtes Interesse an einem Austausch mit einem Verband, der sich in den Augen der Anhänger durch Ignoranz, Machtstreben und Korruption auszeichnet. Und so treffen in der Konfrontation zwei Pole aufeinander, in deren Mitte die Vereine geraten. Im Falle des 1. FC Köln müssen die Geissböcke nach fünf Jahren verhältnismäßiger Ruhe konstatieren: Dem Effzeh droht wieder ein Problem mit Teilen seiner Anhängerschaft.

Das Problem ist offensichtlich: Keine Seite trägt aktuell zur Deeskalation bei. Der DFB wird wohl in wenigen Tagen eine harte Strafe gegen den FC verhängen und damit weiter Öl ins Feuer gießen. Insbesondere die Ultras haben bereits am Montag bei der U21 demonstriert, welche Linie sie geneigt sind in den nächsten Woche zu fahren. Und der Effzeh wird sich dieses Schauspiel nicht länger tatenlos anschauen können und wohl gegen seine eigenen Fans Maßnahmen einleiten müssen.

Thema ist längst aus dem Ruder gelaufen

Gleichzeitig fahren die betroffenen Verantwortlichen wie im aktuellen Fall aus Hoffenheim durch fehlgeleitete Rhetorik zu einer weiteren Verschlechterung bei. Statt Besonnenheit und Ruhe dominiert auch dort die Verbalkeule, statt nach Lösungen werden Drohungen ausgesprochen und nach Strafen geschrien. Und wenn die TSG-Bosse nach dem Spiel gegen Köln eine Verbindung herstellen zwischen den Schmähgesängen in Richtung Dietmar Hopp und dem Sprengstoffanschlag auf den Bus von Borussia Dortmund, zeigt auch das, wie sehr das Thema längst aus dem Ruder gelaufen ist. Besserung ist daher aktuell nicht in Sicht.

Quelle: Marc L. Merten / GEISSBLOG.KOELN
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