21.07.2017

Sommerpause zu Ende (*doof!*)

Laberthier labert hier über den Kölner Fußball vor Siebzehn-Achtzehn

Laberthier vor der Skyline seiner Stadt.

Beim 1. FC Köln am Geißbockheim schaut Bruno Laberthier an jedem freien Tag, den der Herrgott Training sein lässt, vorbei und sieht nach dem Rechten. Die Fortuna aus der Südstadt hat er seit ewigen Zeiten als kölscher Unterhund ins Herz geschlossen. Und dass schöner Fuppes auch auf der anderen Rheinseite gespielt wird, weiß er ebenfalls. Außerdem schreibt er Romane: Nach „Alle Böcke beißen…“ und "Alle Heiner freu'n sich ..." hat er kürzlich mit "Alle Löwen feiern..." ein Fußball-Krimi über den Wuppertaler SV veröffentlicht. Für RHEINFUSSBALL schüttet er regelmäßig sein Herz für FC, Fortuna und Viktoria aus.

Die Fußballsommerpause ist dieser Tage vorbei, es geht wieder los. Selten hat sich der Laberthier weniger auf den Kickoff gefreut wie dieses Jahr. Redbull Leipzig ist in Liga Eins immer noch dabei, und mehr als das. Es überkommt einen wie eine Offenbarung, als hätte man es vorher nicht gewusst. Es ist unangenehm und wirkt sich aus auf die Laune.

Die Vorfreude auf ein Wiedersehen ist ähnlich groß für Achtzehneuroneunundneunzig Dingens, den Vaueffell Bummens und die Bunsenbrenner aus Da-oben-rechts. Fünf Wochen lang hatte sich die übers Gras hoppelnde Kommerzialisierung der Kickerei verdrängen lassen.

Da heißt, nicht ganz. Da waren etwa die neuen Tischsitten in der Regionalliga Südwest, wo jetzt mit Stäbchen gegessen wird, statt Common- und Pirmasens walten zu lassen. Chinakohl-ist-Kappes, lieber DFB. Und Hut ab nach Mannheim, zweimal hintereinander die Relegation reißen, und dann DIESE Reaktion … chapeau, chapeau!

Und da war der Covfefe-Cup, oder wie die Nummer hieß, bei der sich Putins Russland als Gastgeber der G 32 im kommenden Jahr probepräsentieren durfte („Donald mit der orangenen Schnute, wie läuft soccer?“ – „So bad, Wladimir“ – „Brennt der Lada bei euch, oder was? Klinsmann nix gutt?“ – „All flops are bastards“ – „Chab isch dich jetzt under the table gesoffen, oder was?“ – „Covfefe …“)

Sonst, wie gesagt, konnte man dem Gedanken an Fußball halbwegs erfolgreich ausweichen. Auch in Köln, wenn man mal absieht von den Modestefestspielen in den Theaterferien. Hier wirkten die Regisseure auf beiden Seiten irgendwie überfordert. Schon jetzt der Schnappschuss des Jahres ist für den Laberthier das Foto, wo Tony‘s Twins, die beiden Mendybrüder, gleichen Schritts wie zwei der sieben Zwerge ins Geißbockheim marschierten, um abzusahnen. Das heißt, nein: nicht wie die sieben Zwerge, sondern wie zwei der drei Panzerknacker … nur um am geldkiebigen Dagobert mit der orangenen Schnute zu scheitern, der in Köln wahlweise Schmadtke oder Wehrle heißt.

Nie hat es seit der Verscherbelei von Icke Häßler nach Turin anno 1990 und Christoph Daums Wunsch nach ganz persönlicher Ausbildungsvergütung am Geißbockheim ein sinnigeres Bild für Dollarzeichen in den Augen gegeben als hier. Wobei ehrlich gesagt nicht ganz auszuschließen ist, dass sich auch der FC – immer noch mit zwanzig Millis oder so in der Kreide – mehr als nur gezwungenermaßen auf das Geschäft mit dem fußballfrühlingsrolligen Chinesen eingelassen hat, statt sportlichen Common Sense walten zu lassen und die Europa League mit einem tatsächlichen Torgaranten anzugehen (denn der Herr Cordoba mit dem irgendwie buchstabenvertauschten Vornamen muss eine Knipsertauglichkeit erst noch nachweisen). Der Mo hat seine Schuldigkeit getan, der Mo kann gehen? Wohl nicht nur ein Schelm, sondern vermutlich auch ein Fußballkapitalismuskritiker ist, wer Übles dabei denkt.


Bis zum FC-Auftakt in Bundes- und Europa-Liga ist es noch was hin. Das sieht zwei Staffeln tiefer anders aus. Die Fortuna legt am Wochenende los. Auch da gilt tendenziell eher: leider. Jedenfalls hat sich der Laberthier selten so wenig auf den Kickoff gefreut wie dieses Mal. Was nämlich ansteht, ist der erste ganz große Umbruch in Uwe Koschinats Team. Und da hat man so seine Bauchmerzen, jetzt wo – nachvollziehbarerweise, Gott sei es getrommelt – Südstadtlegenden wie Flottmann, Hornig, Rahn und auch, ja doch, Susi Kramer den Verein verlassen haben (ach der Kusi, wie gerne hätte der Laberthier bei passender Gelegenheit den 1970er-Jahre Schlager angestimmt: Am Taaaaag, als Kusi Kwame traf … und alle Glocken läuten ...). Auch Pogge, der Papa im Kasten, wechselt die Seite der Schulbank, und wird Torwarttrainer. Gleichwertiger Ersatz? Im Kasten ja, Tim Boss finde ich persönlich klasse. Nur im Feld, puh. Die Testspiele waren nicht das Orangene vom Apfelsinensaft, ganz und gar nicht.

Ganz ehrlich, wenn der Zähler nach drei Spielen bei null oder bloß einer Eins steht, dürfte das keinen wundern. Nicht eingespielt und so. Dazu das knackige Auftaktprogramm, wenn es gegen unbequeme Aalener und Jenenser, die wissen, wie man gegen Kölner besteht, in die Hose geht, kommt mit Karlsruhe eine Art MSV Duisburg der Spielzeit Siebzehn-Achtzehn an die Pohligstraße, jede Wette.

Zum Glück gibt es Lichtblicke. Den 1970er-Schlager von wegen „Fly, Robin Scheu (Hop-hop, Torgeschrei!)“ könnte man im Südstadion demnächst tatsächlich mal auflegen. Der Neuzugang aus Offenbach macht bislang einen vielversprechenden Eindruck. Außerdem ist Maik Kegel zurück. Und auch die Innenverteidigung will in dieser Spielzeit sicher mehr als die Schuldigkeit tun, die man von ihr aus Sechzehn-Siebzehn kannte.

Zugegeben, eine richtige Vorfreude ist das noch nicht. Die sieht man eher – ja, ehrlich – bei der Viktoria, und das trotz des Relegationsnackenschlags von Anfang Juni. Trainer Antwerpen hat den Verlottungen widerstanden, das ist mit gutem Zureden und vielleicht auch ordentlicher Frühlingsrollerei verhindert worden, dito die Verlotterung auf und nach Schalke, die Mike Wunderlich plötzlich drohte. (Sankt Kalauer, hilf. Hilf ihm, dem Laberthier!).

Es läuft zwar nicht alles wie im Mäzen, aber irgendwie dann doch, und wenn in 2018 ausnahmsweise mal Hans im Glück auf der Schäl Sick zu Gast ist, klappt das auch mit dem Aufstieg in die dritte Liga. „Zeigt’s uns“ einfach!

Der Laberthier drückt aufrichtig die Daumen. Ansonsten gibt es auch in Achtzehn eine Sommerpause. Vielleicht eine mit, aufs Ganze (auch auf das kommerzielle Ganze) gesehen, besserem Bauchgefühl.

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