Mein Rheinfussball

04.08.2017

Mit Wehmut und Euphorie nach Haching

Spitzenreiter Fortuna will weiter auf der Erfolgswelle schwimmen

Dank Markus Pazureks Treffer zum 3:0 gegen Osnabrück ist die Fortuna Erster. Foto: Fortuna

Trotz des Saison-Rekordstartes in Liga 3 hat Uwe Koschinat vor der Auswärtsreise am Freitagmorgen nach Unterhaching kurz innegehalten. Der Trainer gedachte Klaus Ulonska. Am 7. März 2015 stieg der Präsident der Fortuna zusammen mit den Fans in den Zug und machte sich auf zur Fahrt in den Alpenbauer Sportpark. Es war seine letzte Tour mit seinem geliebten Verein. Sechs Tage später verstarb er. „Da habe ich letzte Woche noch mit meiner Frau drüber gesprochen. Da kann ich mich noch sehr gut dran erinnern. Als wir damals hier hinfuhren, war es schweinekalt, anderntags kam Klaus an und es war strahlender Sonnenschein, zum ersten Mal überhaupt in dem Jahr“, so der Coach der Fortuna. 

In diesem Jahr wird Ulonskas Frau Helge mit dem derzeitigen Spitzenreiter bei der Partie am Samstag (14 Uhr) auf der Tribüne mitfiebern. 

Keine 36 Stunden lagen zwischen dem Abpfiff des 3:0-Erfolges gegen den VfL Osnabrück und der Reise nach Haching. Es blieb keine Zeit, diese unerwartete Momentaufnahme zu genießen. „Das ist für mich auch nicht so wichtig. Nach diesem Spiel haben wir noch genug Zeit die ersten vier Begegnungen in Ruhe zu analysieren, aufgrund der selbstverschuldeten Pokal-Pause“, so Koschinat nüchtern. „Wir sind in der angenehmen Situation, dass der Saisonstart sicher nicht mehr desaströs werden wird, selbst wenn in Haching was verrutschen sollte.“
Für Lobeshymnen sieht Koschinat noch keinerlei Anlass. „Es ist noch viel zu früh, um einen Gesamtverlauf der Saison prognostizieren zu können. Es bleibt abzuwarten, ob die jetzigen Erfolge der enormen Euphorie und einer extremen Neugierde der Neuzugänge auf diese Liga geschuldet sind. Ich werde jetzt sicher nicht alles rosarot malen. Aber wir wollen diese kleine Welle ausnutzen.“

Gerade vor der Heimstärke der SpVg. hat der Kölner Fußballlehrer gehörigen Respekt. Haching gewann im Aufstiegsjahr 13 von 17 Spielen plus vier Remis bei einem Torverhältnis von 50:8. Auch in der Relegation wurde Elversberg zu Hause 3:0 geschlagen. Zum Start in Liga drei gab es einen 3:2-Erfolg gegen den großen Aufstiegsfavoriten Karlsruher SC. „Diese Zahlen sind sicher ein guter Maßstab. Haching ist eine spielstarke Elf, sie wollen alles fußballerisch lösen. Mit Nicu, Bigalke und Hain haben sie eine sehr gute Achse.“ Einen Rückstand sollten die Hausherren gegen die Fortuna indes tunlichst vermeiden. In der vergangenen Spielzeit sammelten die Kölner nach einer Führung bereits 37 von 45 möglichen Punkten. Nun kamen schon neun weitere Zähler hinzu.

Aufgrund der kurzen Regenerationszeit hat der Trainer alle verfügbaren Spieler mit nach Haching genommen: „Nach dem Abschlusstraining muss ich erstmal schauen, wer einsatzfähig ist. Stand heute sind das alle. Ich will nicht zwingend Änderungen in der Startelf vornehmen.“ Bisher sehr gut eingeschlagen haben die Neuzugänge Robin Scheu, Dominik Ernst, Daniel Keita-Ruel, Nico Brandenburger und Manuel Farrona Pulido. Insbesondere der Ex-Offenbacher Scheu war gegen Osnabrück überragend. „Viel besser kann man nicht auftreten. Er hat da hervorragend gelöst, er hatte viele spielstarke Aktionen in seinem Spiel. Er ist permanent auf dem Sprung zum Vollsprint. Er ist ein aggressiver, geradliniger Spieler“, lobt ihn Koschinat, der auch das Debüt des Ex-Gladbachers Brandenburger auf der Sechs mit Wohlwollen beobachtete: „Das hat mich nicht überrascht. Mit seiner Mobilität ist er die ideale Ergänzung zu Maik Kegel.“ Und die Anzahl der tauglichen Alternativen wird in ein paar Wochen noch größer sein. „Mit Maurice Exslager, der auf dem Weg der Genesung ist, oder Moritz Fritz, der wieder voll ins Training eingestiegen ist, habe ich ja zum Beispiel künftig noch mehr Pfeile im Köcher.“

Kommentieren

Vermarktung: