Mein Rheinfussball

10.08.2017

„Bin jemand, der gerne Teil eines Projekts ist“

Interview mit Giovanni Misaine, dem neuen Sportdirektor des SC West.

Rund zweieinhalb Jahre nach dem Ende seiner Amtszeit in Buschbell kehrte Giovanni Misaine auf die Fussballbühne zurück und wurde neuer Sportdirektor beim SC West (RHEINFUSSBALL berichtete). Im Interview mit RHEINFUSSBALL spricht der 38 Jahre alte UEFA-A-Lizenz Inhaber über die Gründe für seine lange Auszeit, seine Rückkehr und die neue Aufgabe an der Apenrader Straße.

Die Frage vorweg, wie geht es dir?

Blendend, gesundheitlich und körperlich geht es mir gut. Sportlich werden wir in den nächsten Monaten sehen wie die Entwicklung ist, aber ich bin da sehr guter Dinge, daher gibt es keinen Grund zu klagen.

Du warst jetzt über zwei Jahre lang nicht mehr im Geschäft, woran lag das?

Ich bin in meiner Arbeit sehr verbissen, unter anderem weil ich ein Perfektionist bin. Deswegen konnte ich nicht mehr abschalten. Ich hab schon vor der Bundesliga-Saison 2013/14 mit der Fortuna-U19 gespürt, dass mir die Freude und Kraft fehlte. Aber nach dem direkten Wiederabstieg war die Luft dann komplett raus und ich konnte das alles nicht mehr genießen. Es war meine beste und schönste Zeit bei Fortuna Köln, aber am Ende musste ich mich zu allem motivieren. Man verliert mit der Zeit an Substanz. Ich denke von den sieben Jahren waren zwei zuviel und die haben sich angefühlt wie 14. Man vernachlässigt seine Freizeit und Familie, Frau und Kinder, besonders dann wenn man sich um alles kümmern muss als nur die übliche Trainertätigkeit. Aber wenn man erfolgreich sein will, kann man es auch nicht vernachlässigen. Rückblickend war das aber ein Fehler.

Wie ging es dann weiter?

Nach einer dreimonatigen Pause übernahm ich den CfR Buschbell und dachte, dass die Dauer der Auszeit ausreichen würde. Das war aber ein Trugschluss: Was bei Fortuna nach sechs Jahren aufkam, trat in Buschbell schon nach sechs Monaten auf. Trotz des sportlichen Erfolgs fehlten die Kraft und die Ausdauer, die Aufgabe unter gewissen Umständen fortzuführen. Wenn ich weiter gemacht hätte, wäre es nicht gut gegangen. Deshalb habe ich stattdessen eine Auszeit von zwei Jahren genommen. Die brauchte ich auch und jetzt hab ich wieder die notwendige Energie.

Wie kam es jetzt dazu, dass du dich für eine Rückkehr in den Fußball entschieden hast?

Nachdem ich damals meine Tätigkeit beendet hatte, habe ich mich erstmal anders orientiert, unter anderem im Fitnessbereich gearbeitet. Dort hatte ich sehr viel Spass, habe aber auch immer gesagt, dass ich mir eine Rückkehr in den Fußball vorstellen kann wenn das Konzept passt, auch unabhängig von der Klasse. Die letzen Jahre standen Rainer Mehlen (Vorsitzender SC West) und ich immer wieder in Kontakt miteinander. Jetzt passte es und die Voraussetzungen, die der SC West mir geboten hat, haben mich überzeugt. Ich bin jemand, der gerne Teil eines Projekts ist. Ich beteilige mich lieber an einem Neuanfang und – aufbau, anstatt fünf Jahre ohne klare Ziele in irgendwelchen Klassen zu trainieren.

Was ist genau die Aufgabe des Sportdirektors?

Im Prinzip fließen da die Aufgaben des Managers und die des sportlichen Leiters in einem zusammen. Dazu gehören unter anderem die Zusammenstellung des Kaders, die Spielphilosophie und das Scouting, aber auch alle organisatorischen Belange der Mannschaften. Es gibt da aber noch viele weitere Dinge, die hinzukommen.

Ist es eine große Umstellung jetzt als Sportdirektor und käme ein Trainerjob für dich noch infrage?


Vieles was ich jetzt mache, habe ich früher unter anderem auch bei Fortuna Köln oder dem FC Pesch gemacht, war aber gleichzeitig auch Trainer. Daher ist es im Endeffekt keine Umstellung für mich, da ich mit den Aufgaben und Tätigkeitsfeld bestens vertraut bin. Ich bin jetzt 38 und will nicht ausschließen, dass ich irgendwann mal wieder Trainer werde. Aber momentan machen mir diese Aufgaben sehr viel Spaß, daher mache ich mir darüber zurzeit keine Gedanken.

Ist es jetzt stressiger im Gegensatz zu früher, als du Trainer warst oder entspannter?

Ja und Nein. Es ist Grundsätzlich so, dass ich zeitlich mehr arbeite als vorher. Als Trainer hast du normalerweise „nur“ das Training und die Vorbereitung der Spiele. Eine Ausnahme ist natürlich, wenn du dich noch zusätzlich um andere Dinge im Verein kümmerst. Unterm Strich ist es als Sportdirektor nicht wirklich stressiger, aber der Aufwand ist etwas höher.

Wie sehen die Ziele beim SC West aus?

Wir wollen unter Berücksichtigung unseres Konzepts so erfolgreich wie möglich sein. Das bedeutet: Kurzfristig streben wir den Aufstieg in die Bezirksliga an. Dazu wollen wir ein Ausbildungsverein werden. In erster Instanz für uns und nicht für andere! Wir möchten Spieler entwickeln, die ihr erstes oder zweites Seniorenjahr bei uns verbringer und nicht ihr letztes oder vorletztes. Sicherlich ist klar, dass dies nur über bestimmte Voraussetzungen funktioniert und derzeit nur bedingt umsetzbar ist. Doch letztendlich ist es unsere Philosophie und daher spielt die U19 eine wichtige Rolle für unsere 1. Mannschaft.  

Kommentieren

Vermarktung: