10.05.2016

Arm, aber Säxit

Laberthier labert hier über die Fortuna am Ende der zweiten Saison in Liga 3

Unser Laberthier nimmt die aktuelle Lage der Fortuna in den Blick.

Beim 1. FC Köln am Geißbockheim schaut Bruno Laberthier an jedem freien Tag, den der Herrgott Training sein lässt, vorbei und sieht nach dem Rechten. Die Fortuna aus der Südstadt hat er seit ewigen Zeiten als kölscher Unterhund ins Herz geschlossen. Und dass schöner Fuppes auch auf der anderen Rheinseite gespielt wird, weiß er ebenfalls. Außerdem schreibt er Romane: „Alle Böcke beißen …“ ist der erste (Un)Sittenroman über den 1. FC Köln, nun folgte mit "Alle Heiner freu'n sich ..." ein Fußball-Krimi über Darmstadt 98. Bruno Laberthiers Kolumnen erscheinen offline und online, also in der RHEINFUSSBALL Printausgabe und bei rheinfussball.de.

Es gibt Kicks, bei denen weißt du nach zehn Minuten, dass jetzt besser Paulchen Panther kommt und an der Uhr dreht. Auf zwei Stunden später. So ein Match gab es am Samstag zur besten Nachtischzeit im Kölner Südstadion.


Die Fortuna erdüdelte sich nach gar nicht mal so schlechten Anfangsminuten die fünfte Heimpleite in Folge, weil ein nadelstichsetzendes Unterzahlspiel (Rot für den sympathischen Mahagonischrank in der Innenverteidigung) bei sommerlichen Temperaturen gegen einen fokussierten Gegner keine achtzig Minuten aufrechterhalten werden kann. Das geht einfach nicht, das ist nicht drin.

Mit dem 0:2 waren Uwe‘s Eleven noch gut bedient. Und dann war Schluss, Wismut Aue war aufgestiegen und die besagten zwei Stunden später machte es trotz allem wieder Laune, im Stadion zu sein. Denn der sanfte Platzsturm von dreitausend Veilchen und das freundliche Begießen der gerade geknospten Zweitligapflanzen mit Applaus vom Fortunenblock auf Stehplatz Mitte war dann doch das Eintrittsgeld wert. Und der Ärger verflog.

Das heißt, mit einer Ausnahme. Nicht so leicht verziehen wollte sich der Zores über einen Referee, der beim spielvorentscheidenden Elfmeter für Aue nicht nur Tomaten auf den Augen hatte – oder haben wollte –, sondern geschälte Wassermelonen. Oberleutnant Schult gerierte sich bei der Fortuna mit seinem kapriziös-maliziösen Whistleblowing nicht das erste Mal wie ein Panzer im Porzellanladen. Schon im Flutlichtschein gegen Großaspach konnte er sich mit einem Fortuna-Erfolg partout nicht anfreunden. Was für ein Sportskamerad!

Mit dem wird der Laberthier nicht mehr warm. Der gehört ab jetzt endgültig in die Kategorie Kramny. Und ich glaube, ich bin nicht der einzige, der das so sieht.

Zurück zum Spocht, und damit zu einer Fortuna am Ende einer Saison, die von den gezeigten Leistungen ruhig etwas weniger extrem hätte ausfallen können. Grandiose Spiele voller Spielwitz, raffinierten Angriffszügen und jeder Menge Tore vorne wechselten sich mit schlicht nicht drittligatauglichen Auftritten und jeder Menge Tore hinten ab.

Ja, ich gehe das erste Mal seit Lukas Podolski in seiner zweiten Session aus Prinz vun Kölle, wo er atemberaubende Buden aus dem Vollsprint und vierzig Meter Entfernung erzielte (schöne Grüße an Oliver Pocher-Baumann nach Hoffendorf!), ich gehe das erste Mal wieder wegen eines einzelnen Spielers besonders vorfreudig auf einen Kölner Fußballplatz. Julius Biada spielt und schießt einfach wie einer aus einer anderen Liga, was er nun leider auch selbst geschnallt hat und die Fortuna verlässt.

Und nein, die Defensive hat in dieser Saison in gefühlt jedem zweiten Spiel nicht wirklich funktioniert. Hoch verteidigen und langsam kommen lassen geht halt nur dann, wenn es auch die Offensive der anderen langsam angehen lässt – nur sind Stürmer in aller Regel schon auch Sprinter.

Der Ausblick? Nun ja. Noch hat die dicke Sängerin nicht gesunden, noch ist Saison, und noch kann es selbst für euren Laberthier eine vollumfänglich zufriedenstellende Oper werden. Nämlich dann, wenn beim Showdown von Kölle links-vom-Bach gegen Kölle rechts-vom-Bach auch der Pokal gewonnen wird und im Spätsommer dann der SV Darmstadt 98 im Südstadion seine Aufwartung macht.

Das wäre dann schon Teil der neuen Spielzeit, und für die gibt es schon jetzt eine gute Nachricht. Es geht gegen ein bis zwei Teams weniger aus dem Freistaat Sachsen. Gegen Clubs aus dem Bundesnuschelland gab es in dieser Spielzeit sechs Partien und dabei in Summe null Punkte.

Ein wenig weniger Sachsen wäre also nicht schlecht, zumal in der Parallelwelt Fußball das geht, was im wahren Leben angesichts von brennenden Flüchtlingsheimen und bedauerlich gesellschaftsfähiger Nazidenke zwar schon mal ins Spiel gebracht wird, aber nicht umzusetzen ist: der Säxit. Dresden geht hoch, Aue wie gesagt auch, lediglich Chemnitz ist und bleibt ein Ergebnisärgernis, dazu gesellt sich gaaanz vielleicht noch der FSV Traktor Trabbistadt Zwickau.

Es gibt aber auch nicht so gute Nachrichten. Schmalhans ist und bleibt in Zollstock Küchenmeister. Dem hilft auch ein neu aufgeschlagenes VIP-Zelt nicht ab, was auf eine erfreuliche Entwicklung bei der Ansiedelung der seltenen und eher scheuen Spezies ‚Sponsoren und Gönner‘ schließen lässt. Spektakuläre Neuverpflichtungen? Pustekuchen. Ein Biada-Ersatz soll verpflichtet werden, das war es mehr oder weniger.

Tja.

Für eine Prognose ist es noch zu früh. Ein Motto kann man der kommenden Spielzeit aber schon mal verpassen. Fortuna Köln 2016/17 – arm, aber Säxit.



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