18.12.2015

„Demirbay-Urteil“ in der Kreisliga D

Fischenicher Spieler soll Schiedsrichter-Schein zur Strafminderung machen.

Pioniere in der Kreisspruchkammer: Ein neuartiges Urteil lässt aufhorchen.

Das Urteil für Fortuna Düsseldorfs Kerem Demirbay schlug in der Öffentlichkeit hohe Wellen. Der wegen Schiedsrichter-Beleidigung verurteilte Profi sollte ein Mädchen-Spiel pfeifen, um Reue und guten Willen zu zeigen. Nach diesem Vorbild sprach die Kreisspruchkammer Rhein-Erft nun ein Urteil gegen einen Spieler des VfR Fischenich aus.

Philipp Baumhardt klinkte im Derby seines VfR Fischenich III gegen den BC Stotzheim III völlig aus. Nachdem der Fischenicher Spielertrainer Martin Steinbrügger vom Platz gestellt wurde, weil er einem Gegenspieler einen Ball in den Unterleib warf, brannten bei Baumhardt die Sicherungen durch. Er legte sich mit dem Unparteiischen an, sah wegen Beleidigung ebenfalls die Rote Karte und weigerte sich anschließend, den Platz zu verlassen. Kurz nachdem er schließlich runter war, kam Baumhardt noch einmal zurück und wollte den Schiedsrichter tätlich attackieren. Sein Angriff endete jedoch am Hinterkopf eines Stotzheimers.

Weil Baumhardt wenig Reue zeigte, nicht zur Spruchkammer-Sitzung erschien und auch der Aufforderung seines Vereins, eine Stellungnahme zu diesem Fall einzureichen, nicht nachkam, wurde sein Strafmaß sehr hoch angesetzt. 15 Monate muss der Hürther Kicker nun aussetzen, sein Spielertrainer wurde für zwei Monate gesperrt.

Spruchkammer-Urteil erinnert an den „Demirbay-Fall“

Die Kreisspruchkammer, die ihn wegen Schiedsrichterbeleidigung, Schiedsrichterbedrohung und der Tätlichkeit gegen einen Gegenspieler schuldig sprach, griff beim Urteil zu einer noch nie dagewesenen Methode. Baumhardt hat selbst in der Hand, dass die letzten fünf Monate seiner Sperre zur Bewährung ausgesetzt werden und er ab dem 29. September 2016 wieder spielen darf. Voraussetzung ist, dass er die Schiedsrichter-Prüfung erfolgreich ablegt. Nach einer zweijährigen Bewährungsphase würde ein Drittel der Sperre also verfallen.

„Die Idee zu diesem Urteil hatten der Spruchkammer-Vorsitzende und die weiteren vier Mitglieder selbst“, erklärt Norbert Szyszka, Vorsitzender des Kreisschiedsrichter-Ausschusses. „Es ist mir nicht bekannt, ob es schon einmal ein Urteil in dieser Form gegeben hat. Im Februar hat Herr Baumhardt die Chance, beim Anwärterlehrgang in Weiden guten Willen zu zeigen. Ich bin sehr gespannt, ob er diese Möglichkeit zur Strafminderung wahrnimmt.“

Autor: Daniel Sobolewski

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