Mein Rheinfussball

06.08.2017

Ein Team mit hohem Unterhaltungswert

Die Fortuna verspielt in Haching ein 2:0, macht den Trainer aber dennoch stolz

Daniel Keita-Ruel haute sich ordentlich rein und traf sehenwert zur 1:0-Führung. Foto: Fortuna

Zwei Herzen schlugen in seiner Brust. Uwe Koschinat war hin- und hergerissen nach dem Schlusspfiff im Alpenbauer Sportpark. Vier Spiele, vier Siege zum Saisonstart wären möglich gewesen, angesichts einer 2:0-Führung nach 65 Minuten bei der SpVgg. Unterhaching. Unterm Strich wurde es „nur“ ein Zähler. Der Trainer der Fortuna haderte kurz, ordnete die sehr überraschenden zehn Punkte und Tabellenplatz zwei in Liga drei aber dementsprechend richtig ein.

„Aus emotionaler Sicht, weiß ich gar nicht richtig, wie ich das Spiel und das Ergebnis einordnen soll. Auf jeden Fall hatte das Spiel einen hohen Unterhaltungswert. Nüchtern betrachtet, hatten wir nach dem 2:0 den psychologischen Moment auf unserer Seite, aber Haching hat nicht aufgesteckt und ist wie schon gegen Karlsruhe zurückgekommen. Das ist ärgerlich. Am Ende bin ich deutlich mehr stolz wie sauer“, fasste Koschinat 90 sehr turbulente Minuten zusammen. Wie zwei müde Boxer hatten sich die Kölner und die Hausherren immer wieder attackiert bis zum letzten Gong. Es war eine Partie mit extremen Ausschlägen und Wellenbewegungen. „Am Ende einer englischen Woche haben es sich zwei Mannschaften hier bis in die letzten Minuten richtig gegeben. Beide Teams konnten eigentlich nicht mehr und sind dennoch die letzten 15 Minuten permanent gesprintet“, war auch Koschinat begeistert.

1:0 führte die Fortuna zur Pause und keiner wusste wieso. Taffertshofer und Winkler trafen das Aluminium. Hain ließ eine Hundertprozentige liegen (20.). Das Tor machte Daniel Keita-Ruel. Der Neuzugang traf nach einer Ecke von Maik Kegel. Der abgewehrte Ball landete auf Höhe der Strafraumgrenze genau vor seinen Füßen und der Ex-Wattenscheider schoss die Kugel sehenswert und überlegt mit der Innenseite in den Winkel. „Ein richtig geiles Tor“, befand der Trainer. „Ich habe auf den zweiten Ball spekuliert, mir den Ball zurechtgelegt und ihn dann oben in den Knick reingehauen. Den kann ich“, schilderte Keita-Ruel lachend seinen ersten Saisontreffer für die Fortuna und fügte hinzu: „Unterhaching war sehr spielstark. Sie haben den Ball super zirkulieren lassen. Die zehn Punkte kommen nicht von irgendwo, wir haben auch nicht gegen irgendwen gespielt.“

Und der Alptraum für Unterhaching setzte sich zunächst fort. Koschinat stellte nach der Pause um. Markus Pazurek ging für den bereits verwarnten Nico Brandenburger auf die Sechs. Lars Bender von rechts offensiv auf links defensiv und Robin Scheu kam in die Partie. Und nach 20 Minuten im zweiten Spielabschnitt schlug die Fortuna erneut eiskalt zu. Nach einer Flanke von Dominik Ernst drückte in der Mitte Joker Okan Kurt den Ball zum 0:2 über die Linie. Ein Fabelstart schien vorprogrammiert.

Vier Minuten später stand es 2:2. Zunächst traf Schimmer mit einem Drehschuss zum 1:2, nachdem die Fortuna bei einem Einwurf unsortiert stand, kurz danach konnte Schimmer ungestört aus 16 Metern abziehen, Tim Boss ließ den Ball nach vorne abprallen, und Hain nutzte den Fehler zum Ausgleich. Doch die Kölner brachen mitnichten ein. Sie hielten dagegen und hätten am Ende sogar gewinnen können, wenn nicht müssen. Ein Schuss von Kegel flog knapp rechts vorbei (84.). Einem Treffer von Keita-Ruel wurde wegen angeblicher Torwartbehinderung die Anerkennung verweigert und Scheu scheiterte zweimal hintereinander am gegnerischen Keeper Müller. „In den letzten zehn Minuten haben wir mehrere Großchancen gehabt und erzielen ein aus meiner Sicht reguläres Tor zum 3:2 von Keita-Ruel. Das war reine Willenskraft. Am Ende war es so, wenn eine Mannschaft das Spiel noch gewinnt, dann wir. Insofern ist der Punkt verdient, wenn man das ganze Spiel sieht, ist er sehr schmeichelhaft. Und in Summe sollte man dann mit zehn Punkten aus vier Spielen sehr zufrieden sein“, bilanzierte Koschinat.

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