Mein Rheinfussball

16.04.2017

Eins und zweimal Drei

Laberthier labert hier über den Kölner Fußball in den Ligen Eins und (demnächst zweimal) Drei.

Unser Laberthier und sein neustes Meisterwerk.

Beim 1. FC Köln am Geißbockheim schaut Bruno Laberthier an jedem freien Tag, den der Herrgott Training sein lässt, vorbei und sieht nach dem Rechten. Die Fortuna aus der Südstadt hat er seit ewigen Zeiten als kölscher Unterhund ins Herz geschlossen. Und dass schöner Fuppes auch auf der anderen Rheinseite gespielt wird, weiß er ebenfalls. Außerdem schreibt er Romane: Nach „Alle Böcke beißen…“ und "Alle Heiner freu'n sich ..." hat er kürzlich mit "Alle Löwen feiern..." ein Fußball-Krimi über den Wuppertaler SV veröffentlicht. Für RHEINFUSSBALL schüttet er regelmäßig sein Herz für FC, Fortuna und Viktoria aus.

Pippi Langstrumpf, die Göre mit den verboten scharfen Strapsen (außer im Karneval), war nicht unbedingt die Tochter von Adam Riese. Zweimal Drei macht Vier, widde-pierre-de-wit, und Drei macht Neune. Falscher kann man nicht rechnen, auch in Köln nicht. Da heißt es nämlich passend zur hoffentlich zukünftigen Ligazugehörigkeit seiner Top-Fuppes-Clubs: Eins und zweimal Drei.

Also nix mit „in Summe“ Vier. Die Viktoria, unsere Freunde von der Köllefornia Sonnenbank, East Side Chapter, haben in der Regionalliga West nicht nur wieder mal sämtliche honorig-sponsorigen Trümpfe auf der Hand, sondern nach langen Jahren endlich auch mal die Eier, um die vierte Spielklasse zu verlassen in Richtung Profifußball. Lange genug hat es gedauert und jede Menge Personal hat es verschlissen, bis es so weit war. Aber jetzt! Den April noch zu Ende kullern, dann den Mai über eine ruhige Kugel schieben, ehe Jena wartet. Alex Voigt, du altes kölschlaberndes und –saufendes Kioskfiasko mit Stationen in der Merheimer Heide und bei Carl Zeiss: für wen wirst du sein?

Alles so Fragen.

Fragen stellt sich auch der geneigte Betrachter des Rückrundengeschehens von Fortuna Köln, die seit drei Jahren in diesem gelobten Drittligaland campiert. Fünfzehn Punkte aus dieser Rückrunde: fünf Spieltage vor Schluss eine Bilanz, die eines Anwärters auf die Rückverfrachtung in die Regionalliga angemessen wäre. Leider ist das so, auch wenn zum Glück die Hinrunde satt genug war, um ernsthafte Abstiegssorgen nicht aufkommen zu lassen.
Aber geht das nochmal gut in der Saison 2017/18? Oder steht da ein Wachwechsel an?

Warum kracht bei der Fortuna alles immer im Frühjahr ein, und zwar richtig peinlich – Aalen auswärts war eine üble Offenbarung, die erste Halbzeit im trikot-sponsorigen Taka-Tuja-Land von Münster auch. Warum bricht es immer ausgerechnet dann zusammen, wenn es denen auf dem Platz und im Kader um Vertragsperspektiven geht, weil die Punkte „in Summe“ schon in der Scheuer sind? Was ist das, bitteschön, für eine Einstellung? Als Kunde der Sonnenbank Stehplatz-Mitte im Südstadion ist man wahrlich keinen Luxus gewöhnt. Doch ein wenig mehr dürfte es schon sein – und muss es sogar, damit sich Tom und Annika, die beiden fußballaffinen Ausgaben des ubi(colonia)quitären Pärchens Hänneschen und Bärbelchen, nicht bald komplett verabschieden aus der Südstadt. Und zum FC pilgern, oder rüber auf die andere Sonnenbank. Schmickler, Wortmann und Gerd Köster mögen ja nette Namen im Vereinssympathisantenregister sein – den insgeheimen Abstieg der Fortuna zu nur noch der Nummer Drei in der Stadt werden die aber nicht verhindern, wenn es ab Sommer so kommt, wie es gerade aussieht. Das wäre schade, (denen) aber smörebröd.

Eine drittklassige Nummer legt „in Summe“ auch der Effzeh seit Anpfiff des ersten Spiels nach dem grandiosen Auswärtssieg im Warmbad 98 hin. Die Rückrunde hat für den Grüngürtelrosenverein bisher etwas von einer fiesen, chronischen Krankheit: immer dann, wenn ein entscheidender Schritt in Richtung internationale Startplätze getan werden kann, kratzt und juckt und ruckelt es. Der Punkteverlust in den bisher vergeigten, weil unter par beendeten Absetz-Spielen ist – auf die gesamte Spielzeit gesehen – inzwischen gefühlt so hoch wie die Trefferquote von Tünnes Modeste in dieser Saison, die derzeit bei 23 Toren liegt. Augsburg, Dortmund, Leipzig, Leverkusen daheim, Mainz, Frankfurt, Freiburg, Hertha, Hamburg, Ingolstadt, Augsburg auswärts – überall waren zwei oder drei Punkte mehr drin als „in Summe“ am Ende auf dem Zettel standen.

Das mag der FC-Fan in einem drin verschmerzen können: auch um nicht zu glauben, sich auf Augenhöhe mit solchen global village clubs (Weltdorfvereinen) wie Hoffenheim, Brauseweiler-Connewitz oder Opladen-West zu befinden. Vielleicht würde es auch dem Projekt „FC Twenty-Twenty“ schaden, das der die Assets des 1. FC Köln kühl mit den Realität der generellen Profifußballentwicklung abgleichende Jörg Schmadtke vermutlich verfolgt.
Trotzdem, dieser Fan würde schon mal wieder gerne ‚europäisch‘ auswärts fahren. Denn an die letzten Fahrten erinnert sich kaum mehr jemand unter den Lebenden. Sie klingen wie eine Reise nach Takatuka-Land.
Aber wann, wenn nicht jetzt?

Aufbruchstimmung also. Hier wie da: bei Viktoria, Fortuna und FC. Mal sehen, wie es weitergeht. Vorerst schauen im kunterbunten Haus des kölschen Profifuppes ein Äffzeh und ein Pferd zum Fenster raus: und das mindestens. Das ist sooo schlecht nicht. Es kann in allen Fällen aber nur besser werden.

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