11.02.2016

Kein O für ein U

Laberthier labert hier über den Kölner Fußball zwischen Fastelovend und Fastenzeit

Unser Laberthier mit seinem Fazit zum Karnevalswochenende.

Beim 1. FC Köln am Geißbockheim schaut Bruno Laberthier an jedem freien Tag, den der Herrgott Training sein lässt, vorbei und sieht nach dem Rechten. Die Fortuna aus der Südstadt hat er seit ewigen Zeiten als kölscher Unterhund ins Herz geschlossen. Und dass schöner Fuppes auch auf der anderen Rheinseite gespielt wird, weiß er ebenfalls. Außerdem schreibt er Romane: „Alle Böcke beißen …“ ist der erste (Un)Sittenroman über den 1. FC Köln, nun folgte mit "Alle Heiner freu'n sich ..." ein Fußball-Krimi über Darmstadt 98. Bruno Laberthiers Kolumnen erscheinen offline und online, also in der RHEINFUSSBALL Printausgabe und bei rheinfussball.de.

Ein bisschen ernüchternd war es ja schon, das Fastelovendsfußballwochenende. Der FC stoßstürmt dem Dino der Liga einen Knoten nach dem anderen in die dicken Beine, trotzdem sprang am Karnevalssonntag nicht mehr als ein 1:1 heraus gegen die Relegationsplatzabonnenten aus der Hafenstadt mit der verstopften Fahrrinne. Bei der Viktoria dasselbe. Der eine Punkt, den die Höhenberger auf der Westfalenstadionvorwiese von Lüdenscheid-Nord erkämpften, ist gefühlt viel zu wenig. Auch wenn die Moral gestimmt hat, nach dem Ausfall des Tor- und Wirbelgaranten Mike Wunderlich und der seeehr frühen roten Karte gegen Jules Schwadorf wegen forcierten Unparteiischenbelaberns. 


Sogar ganz ohne Punkte blieb nach fünf niederlagenlosen Spielen die Fortuna. Warum? Weil der Gegner, die Ostseetruppe aus Kiel, nicht die aus Rostock war. Sondern wusste, woher der Wind weht. Das meint der Laberthier übrigens wörtlich: mit viel Physis, der um Längen besseren Einstellung und eben auch einer kräftigen Brise im Rücken war schon nach zehn Minuten klar, wo die Murmel öfter einschlägt. Dem 1:2 für Holstein ging zum Beispiel ein Köpper aus achtzehn Metern voraus, der wie ein Strich auf den Kölner Kasten zurauschte und von André Poggenborg nur nach vorne abgeklatscht werden konnte. Hätte der liebe Fußballgott diese Aktion auf die andere Platzseite gespiegelt, die Kugel wäre mal gerade bis zum Elfmeterpunkt gehöppelt, ehe der Gegenwind und Boné Uaferro sie weggedroschen hätten. So aber passte für Kiel alles und für die Fortuna nichts: weder die Anspannung bei den Spielern, noch das richtige Händchen bei der Seitenwahl, noch Herrn Uaferros manchmal ja atemberaubende Telefonzellenakrobatik als letzter Mann mit dem Ball am Fuß.

Das 2:3 ging am Ende voll in Ordnung, wenngleich es kein Rückfall in den frühen Oktober und auch kein Offenbarungseid war, wie nach dem Spiel von offizieller Seite tiefgestapelt wurde. Sieben, acht Dinger hätten die Kieler Kampfsäue von Trainer Karsten Neitzel nie und nimmer gemacht, ohne selbst fünf oder sechs zu fangen. Die Fortuna ist neuerdings wehrhaft, sie hat selbst in diesem Grottenkick zweimal genetzt. Diese Erkenntnis darf man ruhig mal mitnehmen, wenn die andere schon lautet, dass es mit dem klammheimlichen Spingksen in Richtung direkte DFB-Pokal-Hauptrundenqualifikation oder gar auf den Relegationsplatz jetzt ein für alle Mal gut ist.

Zum Blick nach vorn, auf die vielen nun anstehenden Kicks in der Fastenzeit. Viermal hintereinander auf heimatlichem Kölner Geläuf ran darf die Viktoria: dreimal rechts- und einmal linksrheinisch, nämlich am Geißbockheim bei den Bubis vom FC. Wenn da ein Zwölfender bei erlegt wird, also vier Siege eingefahren werden, geht vielleicht noch was. Denn spielen wir es mal durch: auch in Wattenscheid bestehen, und sie wäre da, die Karwoche der Wahrheit für Trainer Kaczmarek und seine Burschen. Velbert zum letzten Abendmahl, und à propos Essen, die dann an Ostermontag. Beide verputzen, und dann, ja dann, stünde der Showdown gegen Lachbach und Lotte an. Am Welttag des Buches, dem 23. April, wissen wir, wer wem was gelesen hat: die Viktoria allen Pessimisten die Leviten, oder der liebe Fußballgott den Rechtsrheinischen die Messe.

Den eher nicht so lieben Fußballgott Alex Meier empfängt der FC am ersten Fastensamstag zum Duell Weltstadt gegen Geldstadt. Der Laberthier tippt auf viele Tore, denn besagter Meier ist immer für das eine oder andere Hüttchen gut. Andererseits will und wird die Truppe mit den bislang von allen Bundesligisten am großzügigsten liegengelassenen Punkten die sechs Gegentore aus dem Hinspiel vergessen machen.

Ein dickes Brett erwartet die Fortuna, denn die muss ohne Punktegarant Kristoffer Andersen in den eher Nahen Osten, wo der 1. FC Magdeburg als Aufsteiger seinen Traum vom Durchmarsch in die Zweite Liga weiterträumen will. Magdeburg liegt in Sachsen-Anhalt, wo demnächst landtagsgewählt wird und sich eine Partei Hoffnungen auf ein zweistelliges Ergebnis macht, die auf Laberthiers persönlicher Beliebtheitstabelle exakt zwischen Arschgeige und Donaldtrumpete zu liegen kommt: die Aah Eff Deh. Ich erwähne die Volkpfosten deswegen, weil ihr Spitzenkandidat André Poggenburg heißt.

Kein Scheiß.

Wenn die Mannschaft im Stadion einläuft, also nicht wundern über den Applaus aus der falschen Ecke. Kein U für ein O vormachen lassen, und auf dem Platz kein X für ein U.

Kommentieren

Vermarktung: