Mein Rheinfussball

14.01.2016

Viktoria: Wollitz hatte nie einen Vertrag

Streit zwischen Viktoria Köln und dem Ex-Trainer geht in die nächste Runde

Keine Einigung in Sicht: Viktoria Köln streitet weiter mit seinem ehemaligen Trainer Pele Wollitz. / Foto: Augstein

Der Rechtsstreit um eine Einigung in Sachen Abfindung zwischen dem FC Viktoria Köln und seinem ehemaligen Trainer Claus-Dieter Wollitz wird mittlerweile vor dem Arbeitsgericht in Köln ausgetragen. Doch auch beim Termin am Mittwoch kam es zu keiner Annäherung. Stattdessen kommen immer mehr kuriose Details der Zusammenarbeit ans Licht. 

Auch über ein Jahr nach der Entlassung kann Viktoria die „Akte Wollitz“ nicht schließen. Das Arbeitsgericht in Köln soll nun zwischen den Parteien vermitteln, nachdem eine Schlichtung durch den DFB im vergangenen Jahr gescheitert war. Besonders pikant ist dabei, dass die im Sommer 2013 geschlossene Zusammenarbeit zwischen Wollitz und den Höhenbergern nie durch einen unterschriebenen Vertrag besiegelt wurde. 

Das Problem: Gerade befristete Verträge müssen in der Regel schriftlich festgehalten werden – doch die deutsche Rechtsprechung gestattet auch Ausnahmen. Die Viktoria beruft sich darauf, dass ein so genanntes „fehlerhaftes Arbeitsverhältnis“ vorlag, in das beide Seiten durch ihre Handlungen eingewilligt hätten. In so einem Fall müsste die Viktoria weder Gehalt noch Abfindung zahlen, der Kündigungsschutz greift ebenfalls nicht. Wollitz' Rechtsanwalt Horst Kletke hingegen argumentiert, dass das Vertragsverhältnis mangels anderer festgehaltener Bestimmung unbefristet sei und sich daraus entsprechende Abfindungsforderungen ableiten.

Offizielle Kündigung kam zu spät

Dem Amtsgericht Köln liegt offenbar ein Entwurf zur Zusammenarbeit bis zum 30. Juni 2015 vor – doch auch unter diesem Blatt fehlen die Unterschriften. Überhaupt gehen aus dem Dokument brisante Details hervor: So enthält es die im Fußball übliche Klausel, dass sich der Vertrag um ein Jahr verlängert, wenn er nicht bis zum 31. März 2015 gekündigt ist. Wollitz war nach einer Negativserie bereits Ende 2014 freigestellt worden, gut drei Monate später stellte die Viktoria die Zahlungen an den Coach ein. Offiziell gekündigt wurde der Trainer allerdings erst Ende April. 

Seither streiten beide Partien um eine Einigung: Schon im Juli 2015 scheiterte eine Schlichtung beim DFB, nachdem DFB-Justiziar Götz Eilers eine Abfindung von 250.000 Euro vorgeschlagen hatte. Wollitz willigte ein, dem Regionalligisten war diese Summe hingegen zu hoch, sodass ein neuer Gütetermin angesetzt wurde. Doch auch hier kam es nicht zu einer Einigung. Inzwischen hat der Verein eine weitere Kündigung an Wollitz nachgeschoben. 

Statt Einigung nun weitere Klagen

Ebenso sind in dem Dokument die Bezüge von Wollitz festgehalten. Die haben es durchaus in sich: Neben einem monatlichen Grundgehalt von 19.500 Euro verdiente er pro Punkt seiner Mannschaft zusätzlich 1.000 Euro. Vereinbart wurde zudem, dass die Viktoria ihrem Trainer einen Dienstwagen und eine Wohnung stellt. Seit Juni 2015 bezieht Wollitz 2.480 Euro Arbeitslosengeld, sodass der Prozess zunächst vertagt wurde. 

Beim Kammertermin am Mittwoch wurde kein Vergleichsvorschlag gemacht, eine Einigung zeichnet sich in keiner Weise ab. Zumal das juristische Gefecht von beiden Seiten sogar erweitert wurde: Wollitz-Anwalt Kletke beantragt eine Weiterbeschäftigung des Trainers. Und die Höhenberger verklagen ihren ehemaligen Coach auf gut 100.000 Euro. Der Club stützt sich dabei auf eine Aussage des Trainers, nach der er sich mit diesem Betrag an der Ablöse seines ehemaligen Osnabrücker Spielers Timo Staffeldt beteiligen wollte.

Autor: Judith Zacharias

Kommentieren

Vermarktung: