21.03.2016

Vom nicht so schönen Gefühl, nicht abgestiegen zu werden

Laberthier labert hier über die Fortuna nach den Nullpunktenummern gegen VfB Stuttgart II und Würzburg

Unser Laberthier nimmt die aktuelle Lage der Fortuna in den Blick.

Beim 1. FC Köln am Geißbockheim schaut Bruno Laberthier an jedem freien Tag, den der Herrgott Training sein lässt, vorbei und sieht nach dem Rechten. Die Fortuna aus der Südstadt hat er seit ewigen Zeiten als kölscher Unterhund ins Herz geschlossen. Und dass schöner Fuppes auch auf der anderen Rheinseite gespielt wird, weiß er ebenfalls. Außerdem schreibt er Romane: „Alle Böcke beißen …“ ist der erste (Un)Sittenroman über den 1. FC Köln, nun folgte mit "Alle Heiner freu'n sich ..." ein Fußball-Krimi über Darmstadt 98. Bruno Laberthiers Kolumnen erscheinen offline und online, also in der RHEINFUSSBALL Printausgabe und bei rheinfussball.de.

Mit Bernd Hollerbach assoziierte Euer Laberthier bislang Zweierlei. Als Spieler war er sowas wie der Walter Frosch der Neunziger Jahre, nämlich der Gelbkartenkönig der Liga mit dem ruhmreichen Spitznamen Holleraxt. Mit dem Trainerschein in der Tasche war er dann das menschgewordene Diktaphon für Felix Magath. Egal ob auf dem Co-Trainerbänkchen in Wolfsburg oder Schalke, immer hockte er da und tat so, als horche er ergeben den Wutausbrüchen des Masters of Medizinballcoaching. Vielleicht, um die Mecker-Monologe für die Nachwelt zu erhalten. Oder zu löschen, hier rein und da wieder raus. Eher Letzteres. Für die viele Russengas- und Volkswagenkohle kannste dich schon mal zum Ohr degradieren, das dir der Quälix abkaut. Musst ja nicht zuhören.


Hat sie aber scheinbar doch, die Holleraxt. Und dabei was gelernt, wie man am eindrucksvollen körperlichen und taktischen Zustand seiner Würzburger Kickersbuben sieht, die tief in der Rückrunde der Saison 2015/16 ihre beste Phase haben. Ausgestattet mit jeder Menge Drittligaspielern der Kategorie ‚bekannt und renommiert‘, vom ehemaligen Offenbacher Pokalschreck-Kipper Wulnikowski bis zu Wandervogel Elia Soriano im Sturm, lässt Hollerbach seine Felix-Magath-Gedächtnismannschaft hinten kompromisslos täckeln, im Mittelfeld konsequent doppeln und vorne schnörkellos treffen. Die Fortuna aus Köln konnte beim 1:4 am Freitagabend ein Liedchen davon singen.

Tja, die Fortunen. Wie in der Vorrunde schwächeln sie auch in der Rückserie an den Spieltagen 11 und 12. Wieder stehen zwei Pleiten hintereinander zu Buche, nachdem in der Vorwoche der VfB Stuttgart II eine Nummer zu groß war. Die Südstadtkicker können vorne, so sieht es derzeit aus, gar nicht so viele Chancen kreieren und Tore schießen, wie sie hinten rein lassen. Irgendwie scheint auch die Spannung nicht mehr die zu sein, die du selbst gegen den Tabellenletzten brauchst – auch wenn (oder gerade weil) die Frisur sitzt. Etwa die bei Tobias Fink, der vorher wohl eine Wette verloren oder den Bo Derek-Lookalike-Contest gewonnen hatte und nun seine Siegerkördelchen stolz dem Südstadtpublikum präsentierte. Die Reize setzte er damit eher bei den Männern aus Maultaschenland.

In Würzburg wirkte die Truppe von Uwe Koschinat zwar nicht ganz so verspielt und körperspannungsbefreit, auch wenn die drei Gegentreffer in Halbzeit Zwei eine Tacken zu sehr wie durch die Hosenträger geschossen im Kasten landeten. Unterm Strich steht gerade deswegen eine bedenkliche Bilanz. Gegen physisch starke Gegner, egal ob Holstein Kiel, Dresden oder jetzt Würzburg, wirkt das Gebilde auf dem Platz doch arg fragil. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass das körperorientierte Spiel eigentlich eine Stärke der Fortuna sein sollte (und auch oft genug schon war).

Kann es sein, dass das letzte Fünftel der Saison der Truppe einfach nicht liegt? Die Zeit also, wenn sich alle anderen Teams nochmal reinhängen, weil sie deutlicher als die Fortuna etwas zu gewinnen oder verlieren haben. Die Zeit, wenn sich Abgänge abzeichnen und diejenige, um die es geht, bei scheinberuhigenden 40 Punkten auf dem Konto in den Knochenschonmodus schalten. Und wenn alle, die bleiben, auch nicht mehr so giftig wirken wie vorher. Gibt es bei der Fortuna den Morbus Präfinalis?

Eine steile These. Vielleicht zu steil.

Nicht so weit hergeholt ist das Szenario eines freudlosen Saisonausklangs. Freudlos, weil ohne eigenes Zutun. Es könnte sein, dass es die anderen mit ihren Ergebnissen gegen die Konkurrenz nach unten sind, die die Fortuna in der Liga halten.

Keine schönes Gefühl, nicht abgestiegen zu werden, statt aktiv nicht abzusteigen.

Vielleicht motiviert das ja nochmal: der Anspruch, selbst den Klassenerhalt klarzumachen.

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