30.04.2017

„Wir machen uns keinen Druck!“

Der SC Germania Geyen hat sich in der Kreisliga A Rhein-Erft zu einem ganz heißen Anwärter auf die Meisterschaft entwickelt.

Trainer Björn Effertz (l.) und Patrick Gartmann (r., 1. Vorsitzender) wollen den Verein langfristig wieder in der Bezirksliga etablieren.

Sieben Siege holte die Mannschaft von Trainer Björn Effertz aus acht Spielen in der Rückrunde. Lediglich beim Derby in Lövenich/Widdersdorf (1:1, Spielbericht) ließ die Germania zwei Punkte liegen und hat in der Tabelle mittlerweile nur noch zwei Zähler Rückstand auf den Spitzenreiter BW Kerpen, dazu noch eine Partie in der Hinterhand.

Vor dem heutigen Gastspiel in Kaster/Königshoven sprach RHEINFUSSBALL mit Trainer Effertz über den Höhenflug seines Teams, Aufstiegsambitionen und welche langfristigen Ziele der ehrgeizige Coach noch am Geyener Bach verfolgt.

Wie erklärst du dir den derzeitigen Aufschwung?

Ich glaube da gibt es keinen plötzlichen Aufschwung. Wir haben uns, seit ich das Amt in Geyen als Trainer und sportlicher Leiter übernommen habe, kontinuierlich verbessert. 14/15 haben wir die Klasse gehalten mit einer runderneuerten Mannschaft. Im letzten Jahr haben wir eine starke Rückrunde gespielt und hätten am letzten Spieltag sogar noch Platz 3 erreichen können, sind dann aber völlig zufriedenstellend und auch für einige überraschend auf Platz 5 gelandet. Dieses Jahr haben wir den nächsten Schritt gemacht.

Zum Ende des Jahres hatte die Mannschaft einen kleinen Einbruch, verlor vier der letzten fünf Spiele in der Hinserie. Wie kam es dazu?

Man hat in der Hinrunde gemerkt, dass die neuen Spieler ihre Zeit gebraucht haben, um in unser System zu finden. Dort haben wir Punkte liegen lassen, die uns jetzt natürlich von anderen Umständen träumen lassen würden. Aber es war wichtig für den Prozess des Teams, gemeinsam Fehler zu machen und daraus zu lernen. Nur so sind wir wieder etwas reifer in die Rückrunde gestartet, was sich an der derzeitigen Perspektive bemerkbar macht.

Glaubst du noch an den Aufstieg in dieser Spielzeit?

Wie reif wir letzten Endes sind, wird sich nun zeigen. Wir machen uns da aber gar keinen Druck, weder der Vorstand mir, noch ich den Jungs. Wir haben als Saisonziel eine Platzierung unter den ersten 4 angepeilt und dieses gilt es auch sechs Spieltage vor Schluss nicht zu korrigieren. Das hat auch nichts mit mangelndem Selbstbewusstsein zu tun. Uns ist bewusst, wie schwer es ist aus der Kreisliga A aufzusteigen und dass wir aktuell eine reelle Möglichkeit haben, die es nicht alle Tage für uns gibt. Ich als Trainer dieser Truppe glaube, dass die Jungs gemeinsam in der Lage sind alles zu schaffen. Doch jeder, der sich mit Freizeitfussball beschäftigt, weiß auch, dass gerade die Konstanz, selbst bei sehr talentierten Spielern, oft fehlt.

Was sind die Ursachen dafür?

Leistungsbeeinflussende Faktoren gibt es für Feierabendkicker zu genüge. Wir im Trainerteam bei der Germania tun alles dafür, um die maximale Konstanz zu wahren. Ich glaube das wir es schaffen können, wenn es uns gelingt sechs Wochen beständig unsere Leistung abzuliefern und alle Jungs an Bord haben. Aber ohne den Spielern dabei einen "Wir müssen"-Druck zu vermitteln. Die Euphorie und der Wille entwickeln sich bei unseren Spielern dann von ganz alleine, wir haben eine ehrgeizige Mannschaft. Doch auch die Jungs sind dabei sehr geerdet und realistisch. Wir machen jetzt einen Schritt nach dem anderen, bevor wir anfangen große Parolen rauszuposaunen.

Unabhängig von der Ligazugehörigkeit: Wie weit sind die Planungen für die nächste Saison schon fortgeschritten?

Das Gerüst steht! Aus der aktuellen Mannschaft verlässt uns mit Dennis Prinz lediglich ein potentieller Stammspieler. Der Rest des Teams hat bereits vor zwei Wochen für die Saison 17/18 verbindlich zugesagt. Es ist uns auch im diesem Jahr gelungen, Leistungsträger wie unseren Kapitän Benny Niggemann, seinen Bruder Florian oder Patrick Löhr zu halten. Obwohl diese abermals zahlreiche Anfragen anderer zum Teil höherklassiger Vereine hatten! Das ist umso erfreulicher, wenn man bedenkt welchen finanziellen Reizen die Jungs widerstehen. Diese Drei stehen natürlich sinnbildlich für den Rest der Truppe.

Konnte sich die Germania bereits verstärken?

Auch in der nächsten Saison wird es natürlich Neuzugänge geben. 1, 2 stehen bereits fest und werden bei Zeiten verkündet. Bei anderen sind wir in der heißen Phase. Auch hier ist es wie immer sehr schwer für uns, denn wir investieren wie bereits in den vergangenen Jahren in unsere Infrastruktur und wollen den Spielern ein möglichst semi-professionelles Umfeld bieten. Finanzielle Reize können wir in Geyen einfach noch nicht setzen.

Was sind langfristig die Ziele am Bach?

Nach dieser Saison setzen Patrick Gartmann (1. Vorsitzender) und ich uns wieder zusammen und planen die nächsten vier Jahre. Die Planungen für die Saison 17/18 sind rahmentechnisch abgeschlossen. Unsere Vision ist es natürlich, den Verein wieder in der Bezirksliga zu etablieren. Uns ist auch klar, dass wir uns sowohl im Bereich Sponsoring /Marketing noch breiter aufstellen müssen als auch eine stabile A-Jugend am Bach aufzubauen.

Welche Probleme gibt es in der Hinsicht?

Uns fehlt es dafür an allen Ecken an Unterstützung. Ehrenamtliche Arbeit ist „out“, wenige interessieren sich noch für den Kreisfussball. Bei uns liegen viele Aufgaben in den Händen weniger Personen. Das nennt man zwar Herzblut, dennoch können wir noch einige fähige Leute im Verein und darum herum gebrauchen. Auch die Politik lässt uns im Stich, denn bereits 14/15 stand im Wahlprogramm der CDU der Kunstrasenplatz in Geyen auf der Agenda. Davon weiß man aktuell scheinbar noch wenig. Ich glaube keinem ist bewusst, dass ohne diesen Kunstrasen der SC Germania 1932 Geyen ausblutet. Weder Jugendspieler noch Senioren lassen sich heute noch von Asche im Winter begeistern. Das ist tatsächlich das meist genannte Argument gegen uns.

Was hat der Verein bisher dafür getan?

Unsere Spendenaktion „100% Dein Kunstrasen“ hat schon ein wenig in die Kassen gespült. Allerdings fehlt noch einiges, um mit einem Eigenanteil an Kapital Druck auf die Stadt machen zu können. Ich hoffe, dass ich als Trainer der ersten Mannschaft die Leute in Geyen zumindest sportlich davon überzeugen kann, dass dieser Verein nur mit der Hilfe des gesamten Dorfes, das Ziel Kunstrasen für Geyen erreichen kann und somit wieder Leben in die Bude kommt!

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