06.04.2019

Neues vom Braunsberg: TVH-Mitglieder sollen für Vorstandsfehler haften

Während sich die in der Winterpause neu zusammengestellte Mannschaft in der Regionalliga West achtbar schlägt, findet das Führungschaos beim TV Herkenrath im Hintergrund offensichtlich kein Ende.

TVH: Der Eisberg steht symbolisch... / Bild: Michael Haferkamp - Wikimedia Commons

Seit Anfang des Monats steht nun auch endgültig fest, dass das abgeschlagene Schlusslicht vom Braunsberg in der kommenden Saison nicht wieder in der vierthöchsten Spielklasse antreten wird, denn die Verantwortlichen verzichteten darauf, wie bereits angekündigt, die Unterlagen für die nächste Regionalliga-Spielzeit einzureichen.

Dieser Schritt kommt somit wenig überraschend. Denn obwohl sich das Team unter Leitung von Trainer Giuseppe Brunetto entgegen aller Erwartungen ordentlich verkaufte, zuletzt nur knapp mit 1:2 gegen Alemannia Aachen geschlagen geben musste und zuvor bei M'Gladbach II und gegen Straelen vier Punkte holte, dürfte allen Beteiligten klar gewesen sein, dass es sowohl sportlich als auch wirtschaftlich nicht für eine weitere Runde in Liga vier reichen würde.

Die Verfehlungen der Vergangenheit sind damit allerdings längst noch nicht ausgeräumt, denn mittlerweile sollen sich die Schulden, die der Club durch das einjährige Regionalliga-Intermezzo anhäufte, auf rund 150.000 Euro belaufen. Darin nicht eingerechnet sind die noch zu beziffernden Forderungen des Finanzamts, das wohl eine Schätzung durchführen muss, da offensichtlich keine ordnungsgemäße Buchhaltung geführt wurde. Insidern zur Folge könnten die Verbindlichkeiten anschließend auch durchaus die 200.000-Euro-Marke durchbrechen. Zumal noch etwa 50.000 Euro benötigt werden sollen, um die aktuelle Saison zu Ende spielen zu können.

Um diesen eklatanten Fehlbetrag auszugleichen, beabsichtigt der TVH-Vorstand - bestehend aus Uwe Tillmann und Karl Wermelskirchen – einen Bankkredit aufzunehmen. Dieser soll nach dem Willen eben jener verantwortlicher Personen, die sich mit ihren teilweise fahrlässigen Unterschriften diverser Verträge persönlich haftbar machten, von den Mitgliedern der Fußballabteilung getragen und abbezahlt werden. Unabhängige Finanzexperten, die ihren Namen an dieser Stelle nicht veröffentlicht sehen wollen, gehen unterdessen davon aus, dass der Verein – mangels ausreichender Sicherheiten - ohnehin nur etwa 70.000-80.000 von einem seriös arbeitenden Kreditinstitut erhalten würde.

Welche Rolle spielt der ehemalige Mäzen Manfred Faber?

Nicht zuletzt aufgrund der finanziellen Schieflage kamen, wie vor kurzem wieder auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung, auch immer wieder Vorwürfe gegen den ehemaligen Mäzen Manfred Faber auf, der den Aufstieg des TVH erst ermöglicht hatte. Dieser hätte den Verein jedoch durch seine „voreilig“ gezahlte Bürgschaft von 35.000 Euro beim Verband so unter Druck gesetzt, dass er sich einem Regionalliga-Aufstieg gar nicht verwehren konnte.

Faber sieht die ganze Sache natürlich etwas anders: „Nachdem meine finanzielle Unterstützung aufgrund gewisser Vorkommnisse ausblieb, wurden die Mitgliedsbeiträge - gemeinnützige Gelder - fehlverwendet. Ich soll nun wieder einmal zum Sündenbock gemacht werden für Verträge, die ich weder entwickelt, noch unterschrieben habe“.

Vielmehr als Fabers Rolle soll mittlerweile allerdings die des ehemaligen Abteilungsleiters Wolfgang Preiss innerhalb des Vereins kritisch gesehen werden. Dieser scheint nach seinem Rücktritt von seinem Posten - den er zuvor bereits unzählige Male angekündigt, aber nie vollzogen hatte – regelrecht untergetaucht zu sein. Vorwürfe der Untreue und Unterschlagung standen schon länger im Raum, sollen nun dem Vernehmen nach auch von der Vereinsführung um Uwe Tillmann zur Anzeige gebracht werden, um eventuelle Schadensersatzansprüche geltend zu machen.

Doch wie soll es weitergehen beim TV Herkenrath? Der bisherige Athletik-Trainer Thomas Klimmeck und der langjährige Spieler Sebastian Schauer wären wohl dazu bereit, Verantwortung zu übernehmen, wollen aber verständlicherweise nicht für die Altlasten der bisherigen Vereinsführung haften. Darüber hinaus soll Uwe Tillmann, als Vorsitzender des Gesamtvereins, eine Satzungsänderung anstreben, um eine bessere Kontrolle der Finanzen in den einzelnen Abteilungen zu haben.

Unabhängig davon, ist die sportliche Zukunft der ersten Mannschaft mehr als unklar. Als Regionalliga-Absteiger könnte der TVH natürlich eine Etage tiefer wieder in der Mittelrheinliga starten. Doch auch ein Rückzug bis in die Kreisliga A scheint denkbar. In dieser spielte bis vor kurzem noch die zweite Mannschaft der Schwarz-Weißen. Diese wurde allerdings vom Spielbetrieb zurückgezogen, nachdem von Ex-Abteilungsleiter Preiss getätigte Zusagen gegenüber der Spieler wohl nicht eingehalten werden konnten.

Autor: Fabian Basdorf

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