24.05.2019

„Im Fußball gibt es keinen Dank, das habe ich jetzt gelernt“

Cüneyt Karaca, langjähriger Trainer bei Grün-Weiss Brauweiler, äußert sich im Interview mit RHEINFUSSBALL zu seiner Entlassung.

Nach 15 Jahren Vereinszugehörigkeit wurde der 38-Jährige Anfang Mai überraschend von seinen Aufgaben als Trainer der ersten GWB-Mannschaft, die er von der Kreisliga C in die Landesliga geführt hatte, entbunden. An dieser Stelle spricht der B-Elite-Lizenz-Inhaber erstmals umfassend über die Umstände, die zur Trennung führten und die tiefe Enttäuschung darüber. 

Cüneyt Karaca, haben Sie Ihren Abschied von Grün-Weiss Brauweiler, mit etwas Abstand, schon verdauen können?
Nicht so richtig. In jedem anderen Verein wäre es das Normalste der Welt gewesen, aber bei GWB waren die Abläufe ganz anders. Diejenigen, die mich entlassen haben, hatten zwar die Befugnis dazu, aber nicht das Recht. Von den letzten zwölf Jahren war zehn Jahre lang niemand aus dem Vorstand für mich oder die Mannschaft da. So etwas kann man nicht verdauen.

Welche Gründe wurden Ihnen vom Verein für die Trennung mitgeteilt?
Mir wurde gesagt, dass für die letzten Spiele neue Impulse setzen wolle. Aber wofür? Für den Abstieg? Ich war immer derjenige, der vorgelebt hat, das Höchste erreichen zu wollen. Es war nie das Ziel des Vereins, Landesliga zu spielen. Es war immer nur mein Ziel. Also wofür neue Impulse?

Also können Sie diese nicht nachvollziehen?
Nein, kann ich nicht! Ein Aufsteiger, der in der neuen Spielklasse gegen den Abstieg spielt, ist, denke ich, das Normalste der Welt. Wir hatten den kleinsten Etat der Liga, meine Spieler habe ich größtenteils aus der Kreisliga C, B und A geholt, 80 Prozent des Kaders hatte keine Landesligaerfahrung und dazu kam noch das Verletzungspech der Top-Leistungsträger der Mannschaft wie Markus Stifel, Lukas Kremer, Mirko Reuter, Stefan Lindenthal oder Taulant Mataj, um nur einige aufzuzählen. Wir haben viel Lehrgeld zahlen müssen, haben viele Gegentore nach Standards kassiert mit unserer körperlich viel zu kleinen Mannschaft und ich habe viel rotiert, um jedem gegenüber fair zu sein. Im Nachhinein war das ein Fehler. Meine Fairness ist mir zum Verhängnis geworden, auch wenn ich der Meinung bin, dass man in Brauweiler nicht anders arbeiten kann. Aber nachvollziehen kann ich die Entscheidung insgesamt nicht und sie hätte so auch gar nicht vollzogen werden dürfen.

Wie beurteilen Sie – nach knapp 15 Jahren im Verein - die Art und Weise der Entlassung?
Es waren 15 sehr schöne und erfolgreiche Jahre. Ich habe als Spieler zwei Aufstiege gefeiert und zudem den Pokalsieg. Dazu kommen vier Aufstiege als Trainer. Insgesamt also eine sehr erfolgreiche Zeit, aber gleichzeitig auch eine harte Zeit, für die ich viel geopfert habe. Sie hat mich viele Nerven gekostet, denn ich habe immer alles gegeben, ob auf oder neben dem Platz. Ich habe mit Liebe das Wappen von GWB vertreten, Brauweiler war mein zu Hause. Ich war immer hart, aber menschlich. Ich war in Brauweiler nicht nur Trainer, ich war mehr als das. Denken Sie, dass in einem anderen Verein der Trainer einer Landesliga-Mannschaft sonntags Obst schneidet und die Trikots wäscht? Denken Sie, dass es normal ist, dass der Trainer einer Landesliga-Mannschaft samstagabends die Tornetze tauscht, damit der Spielbetrieb gewährleistet ist? Hinzu kommen viele Punkte, die ich hier an dieser Stelle gar nicht erwähnen möchte. Aber ich denke es wird deutlich, dass in Brauweiler viele Abläufe ganz anders waren.

Wie der Verein mir all das gedankt hat, konnte man gesehen. Die Art und Weise der Entlassung war nicht fair. Aber es ist so wie es ist. Im Fußball gibt es keinen Dank, das habe ich jetzt gelernt.

Wie blicken Sie insgesamt auf ihre lange Zeit bei GWB zurück?
Insgesamt war es eine mehr als erfolgreiche Zeit. Mir ist in Brauweiler etwas Außergewöhnliches gelungen. Ich bin mit einem Verein, der mir am Anfang nicht mal einen Ball zur Verfügung gestellt hat, aus der Kreisliga C in die Landesliga aufgestiegen. Von Jahr zu Jahr konnte ich die richtigen Spieler von meiner Philosophie begeistern und sie, ohne ihnen viel bieten zu können, überzeugen, nach Brauweiler zu kommen. Dadurch habe ich viele tolle Spieler mit super Charakteren kennen gelernt. Auch die Tatsache, dass sich der Vorstand nie groß um uns kümmerte, hat dazu geführt, dass ich ungestört arbeiten und Dinge so umsetzen konnte, wie ich sie mir vorgestellt habe. In diesem Zusammenhang möchte ich mich auch bei dem sportlichen Leiter der 1. Herren bedanken, der zwar meine Entlassung in die Wege geleitet, aber mich in der Vergangenheit auch sehr viel unterstützt hat.

Autor: Fabian Basdorf

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