12.10.2012

Cataldo Cozza: Kein Lärm um viel

Der Rechtsverteidiger ist einer der Leistungsträger im aufstrebenden Team von Viktoria Köln, doch große Töne sind dem sympathischen Deutsch-Italiener trotzdem fremd.

Cataldo Cozza im Spiel gegen Oberhausen

Und wieder hat er einen Linksaußen zermürbt. Nie einen Ball verloren gegeben, seinem Gegenspieler keinen Raum zur Entfaltung gegeben und sogar Akzente nach vorne gesetzt. Wie in den fünf Spielen zuvor, in denen die Kölner Viktoria insgesamt nur drei Gegentore kassierte und stets gewann, fiel auch beim 2:0 Heimsieg gegen Rot-Weiß Oberhausen am 6. Spieltag der Regionalliga West kein Tor über die rechte Kölner Abwehrseite. Denn dort spielt bei den Rechtsrheinischen ein Neuzugang, der sich auf Anhieb unverzichtbar gemacht hat: Cataldo Cozza.

Zum Interviewtermin in der darauffolgenden Woche kommt Cozza im Geländewagen, trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift „Carlo Cokxxx Nutten“ – dem Titel eines Musikalbums der Gangsta-Rapper Bushido und Fler – und eine Baseball-Cap. Doch wer in dem 27 Jahre alten Deutsch-Italiener einen Draufgänger vermutet, könnte falscher nicht liegen. So temperamentvoll und auffällig er sich auf dem Fußballplatz auch gibt, so freundlich, höflich und zurückhaltend ist „Cata“, wie er von seinen Mitspielern gerufen wird, im täglichen Umgang.

Zurückhaltender Führungsspieler

Um seine Person – sportlicher Erfolg hin oder her – möchte er deswegen auch möglichst wenig Aufhebens machen. Nach dem überzeugenden Sieg gegen RWO soll Cozza vor laufender Kamera ein Interview geben, doch er winkt ab und verdrückt sich schnell: „Andere sind wichtiger“. Als einen Spieler, der sich selbst nicht wichtiger nimmt als seine Mitspieler, beschreiben ihn auch seine Kollegen.

„Cataldo hat immer ein offenes Ohr für junge Spieler und ist mit allen auf einer Wellenlänge. Er ist zwar zurückhaltend, doch verinnerlicht auf und neben dem Platz trotzdem eine Führungsmentalität“, sagt Jerome Propheter, der neben Cozza in der Viererkette spielt.

Auch in Trier, seiner Station vor der Viktoria, war Cozza zurückhaltend und erfolgreich. Dort habe er in zwei Jahren, trotz großem Medieninteresse nur ein einziges kurzes Interview gegeben, erzählt er. Für die Eintracht spielte der gebürtige Remscheider 66 Mal in der Regionalliga und verpasste nach seinem Debüt am 3. Spieltag der Saison 2011/2012 kein einziges Spiel – so etwas nennt man einen Leistungsträger. Folgerichtig hätte Cozza auch in Trier problemlos seinen Vertrag verlängern können.

Scholz trainierte Cozza schon in der Bayer-Jugend

Warum also Viktoria Köln? Der Kontakt zu Viktoria-Coach Heiko Scholz – Cozzas damaliger Trainer in der C-Jugend von Bayer Leverkusen – habe eine große Rolle gespielt, verrät Cozza. Wenn man Scholz nach seinem Schützling fragt, gerät der Ex-Nationalspieler ins Schwärmen: „Cataldo ist ein toller Typ, er ist ruhig, ehrlich und freundlich, fügt sich in die Mannschaft ein und hat keine große Klappe. So war er schon mit 14 Jahren, als ich ihn bei Bayer Leverkusen trainiert habe und so ist er geblieben“, erklärt Scholz und weiß auch die sportlichen Qualitäten seines Rechtsverteidigers zu schätzen: „Er ist eine unheimliche Verstärkung für uns, hat ein gutes Auge, verfügt über ein sicheres Passspiel und ist enorm zweikampfstark“, sagt Scholz und schlussfolgert, dass Cozza den in die 3.Liga nach Münster abgewanderten Kevin Schöneberg „gut ersetzt“ hat.

Den Ausschlag für den Wechsel gab neben der sportlichen Perspektive in Höhenberg allerdings etwas anderes. Für den „tausendprozentigen Familienmenschen“ war letztendlich wohl die geographische Nähe zu seinem Elternhaus in Remscheid entscheidend: Von Cozzas neuem Wohnort Stammheim aus sind es dorthin nur 20 Minuten mit dem Auto, die Strecke fährt er nun zwei bis drei Mal in der Woche.

Berühmter Cousin: Der italienische Ex-Nationalspieler Gennaro Gattuso

Seine Familie stammt aus Süditalien, genauer gesagt aus dem Ortsteil Schiavonea in der Provinz Cosenza in Kalabrien. Geboren und aufgewachsen ist Cozza aber in Remscheid, nach Schiavonea fährt er regelmäßig im Sommer. Dort trifft er dann auch gelegentlich, zum letzten Mal vor drei Jahren, auf seinen berühmten Cousin: Kein geringerer als der ehemalige italienische Weltklassefußballer und Weltmeister Gennaro Gattuso, der aktuell beim FC Sion seine Karriere ausklingen lässt.

Man merkt Cozza an, dass er ständig darauf angesprochen wird. Sein Lieblingsthema ist es nicht, über den bekannten Cousin zu sprechen. „Wir haben beide unsere Leben und machen unser Ding. Ich mache mir sicherlich nicht ständig über ihn Gedanken.“ Aber, fügt Cozza hinzu, natürlich sei er stolz, einen Weltstar als Cousin zu haben. Zusammen Fußball gespielt haben die Beiden in ihrer Freizeit auch schon. Doch so aggressiv wie man es im Fernsehen wahrnimmt, habe Gattuso dort nicht gespielt, erzählt Cozza mit einem Augenzwinkern. Ob er es schaffe, Gattuso zur Viktoria zu lotsen? „Ich versuche es. Aber das wird schwer.“

Über Leverkusen, Paderborn, Dresden und Trier nach Köln

Sechs Jahre ist es nun her, dass der damals 21-Jährige gelernte Bürokaufmann von zu Hause mit ähnlichen Zielen loszog, wie sein Cousin, der als 18-Jähriger die italienische Provinz – mit seinem ersten Profivertrag ausgestattet – in Richtung AC Perugia verließ. Nachdem Cozza die Jugendmannschaften von Bayer durchlaufen hatte und zwei Jahre für die Leverkusener Reserve in der Oberliga aufgelaufen war, wollte es Cozza in der Bundesliga versuchen. Im Sommer 2006 holte in Jos Luhukay zum SC Paderborn in die zweite Liga. Doch nach drei Tagen da warf Luhukay bereits das Handtuch und mit Roland Seitz ein neuer Trainer verpflichtet. Der hatte den jungen Abwehrspieler aber nicht auf dem Zettel: Cozza kam nicht zum Einsatz und wechselte im Winter in die damals drittklassige Regionalliga zu Dynamo Dresden.

In der sächsischen Landeshauptstadt lief es besser. Cozza kam regelmäßig zum Einsatz, wurde zum gestandenen Spieler und fand außerdem sein privates Glück, lernte seine Freundin Jana kennen. Doch nach vier Jahren im fast 600 Kilometer von zu Hause entfernten Dresden zog es ihn wieder näher an seine Heimat. Und wie das verrückte Fußballgeschäft nun einmal spielt, rief ausgerechnet Roland Seitz – mittlerweile Trainer in Trier – an und wollte ihn verpflichten. Jener Seitz, der ihn in Paderborn noch ignoriert hatte. Cozza legte zweimal den Hörer auf, beim dritten Mal hörte er sich an was Seitz zu sagen hatte – und war überzeugt.

Freundin Jana ist im neunten Monat schwanger

Doch auch Trier ist über 200 Kilometer entfernt von Remscheid und es gibt einen akuten Anlass, warum Cozza nach zwei guten Jahren bei der Eintracht die Nähe zu seinen Eltern suchte: Sein Freundin Jana, von der er nur als „meine Frau“ redet, ist hochschwanger, die Beiden erwarten gegen Ende September ein Mädchen. Selbstverständlich ist sein Leben momentan vor allem auf den erwarteten Nachwuchs ausgerichtet. „Momentan geht es mir in meiner Freizeit nur um meine Familie, da muss ich Prioritäten setzen. Aber das nimmt mir denke ich mal niemand übel“, sagt Cozza.

Mit der Entwicklung der Viktoria ist der Verteidiger – wie sollte es nach dem makellosen Saisonstart auch anders sein – zufrieden. Seine sportliche Zukunft sieht Cozza auch über die Saison hinaus in Köln: „Ich bin nicht der Typ, der von einem Verein zum anderen springt. Wir sind mit der Viktoria sehr gut aufgestellt und wollen diese Saison das Maximum rausholen.“

Die Liebe zum Verein hat allerdings auch seine Grenzen. Einen Namen für den erwarteten Nachwuchs gibt es schon. Doch „Viktoria“, sagt Cozza auf Nachfrage lachend, „wird es nicht.“

Text: Sebastian Fischer

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