11.03.2017

Das Südstadion wird zum Camp Nou

2:2 _ Fortuna trifft in der Nachspielzeit zweimal gegen Regensburg

Grenzenloser Jubel bei der Fortuna nach dem späten Ausgleich durch Markus Pazurek. Foto: Fortuna

Bis in die Nachspielzeit hinein hätte am Samstag wohl niemand auch nur einen Pfifferling auf die Fortuna gegeben. Doch dann kam es vor 1.498 Zuschauern im Südstadion zu einem Comeback, dass in der Mini-Version an das Champions-League-Wunder von Camp Nou erinnerte. Christopher Theisen (90 + 6) und Markus Pazurek (90 + 9) köpften die Mannschaft von Uwe Koschinat jeweils nach einer Ecke des eingewechselten Lars Bender noch zu einem nicht mehr für möglich gehaltenen 2:2-Unentschieden.

Bei der Fortuna blieb Kapitän Daniel Flottmann auf der Bank. Johannes Rahn durfte mal wieder von Beginn an ran. Und Tim Boss stand im Tor. Das waren die auffälligsten Personalentscheidungen des Trainers vor dem Anpfiff. Schon in Halbzeit eins war zu spüren, dass die Kölner nicht gerade mit breiter Brust auftraten. Regensburg war zwar auch nicht unbedingt zwingend in den Offensivaktionen, hatte aber die bessere Spielanlage. Bei der Fortuna gab es nur Schussversuche. Dahmani zielte knapp drüber (24.). Oliveira Souza zeigte sich zu eigensinnig aus guter Position und traf nur das Außennetz in der kurzen Ecke (28.). Insbesondere der Regensburger Thommy lenkte das Spiel der Gäste und war auch am Führungstreffer beteiligt. Nach einem Dribbling passte der starke Mittelfeldspieler zu Geipl, dessen Schuss landet bei Grüttner, der aus wenigen Metern zum 0:1 vollendete (44.). Direkt im Anschluss verhinderte Boss nach Pass von Thommy und Schuss von George das mögliche 0:2.

Auch die beiden frischen Kräfte nach einer Stunde brachten im Spiel der Fortuna zunächst keine wesentliche Verbesserung. Bender und Michael Kessel kamen für Selcuk Alibaz und Oliveira in die Partie. Sehenswert dann der Treffer zum 0:2. Grüttner hob den Ball auf Höhe der Strafraumgrenze mit der Hacke über drei Gegenspieler und versenkte den Ball dann aus zehn Metern in der langen Ecke. Es drohte die vierte Niederlage in Folge für die Fortuna, doch es kam ja bekanntlich anders. Zunächst vergab Theisen eine Hundertprozentige, er scheiterte am Gäste-Keeper (83.). Dann verletzte sich der gerade erst eingewechselte Markus Ziereis (88.). Minutenlang wurde der Joker auf dem Spielfeld behandelt. Die erste Diagnose lautete Bruch des Unterarmes. Und die achtminütige Verlängerung nutzten die Hausherren zu einem beachtlichen Comeback.

Stimmen zum Spiel: Bone Uaferro (Fortuna)

„Das war sehr wichtig heute. Zuletzt fehlte uns auch ein wenig das Matchglück. Ich bin froh, dass wir den Bock noch umstoßen konnten. Vielleicht können wir jetzt eine positive Serie starten, damit wir mit dem Abstiegskampf nicht zu tun haben. Das war heute in den letzten Minuten extremer Wille und Zusammenhalt im Team und das haben wir gebraucht.“

Hamdi Dahmani (Fortuna)

„Wir haben uns gesagt, egal wie wir spielen, wir brauchen ein Ergebnis. Nach dem 0:2 haben sicher die wenigsten noch dran geglaubt. Nach der Verletzungspause, als der Schiedsrichter anzeigte, es sind noch acht Minuten zu spielen, war die Hoffnung nochmal da. Der Punkt bringt uns jetzt nicht viel weiter. Aber in so schlechten Phasen braucht man diese Momente. Das gibt uns den Glauben an uns ein Stück weit zurück. Das war sehr wichtig, dass wir auch nach zwei Toren Rückstand zurückgekommen sind.“

Markus Pazurek (Fortuna)

„Wir haben vorher nicht gut gespielt. Nach dem 1:2 hat das Spiel seinen Lauf genommen. Das ist oft so. Dann hatten wir das Momentum auf unserer Seite. Auch wenn es mal nicht so läuft, wir geben nie auf. Das zeigt unsere Moral. Der Punkt kann im Endeffekt Gold wert sein. Das kann einem für die Saison viel geben, wenn du so einen Punkt innerhalb von drei Minuten mit einem Doppelschlag auch mal erkämpfst.“   

Heiko Herrlich (Trainer Regensburg)

„Nach dem Hinspiel habe ich nach dem späten Ausgleich für uns gesagt, es fühlt sich an wie ein Sieg. Heute fühlt es sich an, wie eine Niederlage. Wir haben zurecht 2:0 geführt und viel für das Spiel getan, es teilweise dominiert. Wir haben wenig zugelassen. Die Unterbrechung durch die schwere Verletzung hat uns nicht gutgetan. Danach fehlte uns die Spannung. Die Ecken haben wir nicht gut verteidigt.“

Uwe Koschinat (Trainer Fortuna)

„So komisch sich das anhört, für uns war die tragische Verletzung vielleicht heute die entscheidende Situation. Durch diese lange Unterbrechung konnte ich nochmal Einfluss auf die Mannschaft nehmen, sie nochmal anzutreiben. Regensburg war sehr kompakt und spielstark. Wir haben es 85 Minuten lang nicht geschafft, die körperliche Dominanz gewinnbringend auf den Platz zu bringen. Am Ende konnten wir unsere Domäne, die Lufthoheit, nutzen. Wir hatten heute einige Defizite. Da merkt man schon, dass bei Rückständen wichtige Führungsspieler fehlen, die der Mannschaft dann Halt geben können. Mit den letzten fünf Minuten habe ich eine Basis, an der ich die Mannschaft in den nächsten Wochen packen kann.“   

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