20.01.2015

Die Durchmarsch-Jahre des TV Herkenrath

Vier Aufstiege in Folge, die Oberbergischen sind "on fire".

Der TV Herkenrath im Freudentaumel. / Foto: Holger Plum

In den letzten Jahren ging es schnell. Vor nicht allzu langer Zeit waren es eine Handvoll Eltern, die den Spielern des TV Herkenrath 09 beim allwöchentlichen Sonntagskick in der Kreisliga C zusahen. Doch ab der Saison 2010/2011 gelangen dem Verein aus Bergisch Gladbach sage und schreibe vier Aufstiege in Folge. Der sportliche Höhenflug scheint auch in der Landesliga noch nicht zum Stillstand gekommen zu sein.

Nicht einmal ein halbes Jahr nach dem Aufstieg darf der TV Herkenrath den nächsten Erfolg feiern. Die erste Landesliga-Hinserie der Vereinsgeschichte endet für den TVH mit der Herbstmeisterschaft. Selbst für Michael Hornig, den Cheftrainer der ersten Mannschaft, kommt dieser Durchmarsch überraschend. „Ich sage es ganz ehrlich, dieses Szenario ist in keinster Weise so weit gedacht worden. Wenn man Fußball spielt, will man immer das Beste erreichen, doch in diesem Ausmaß war das nicht geplant.“ Ähnliche Worte bekommt man von Manfred Faber zu hören. „Grundsätzlich haben wir immer von einer Klasse in die nächste gedacht. Wir wollten stets unter die ersten Fünf kommen“, erinnert sich der Vorsitzende der Fußballabteilung. „Grund für die Aufstiege war eine Mischung aus Glück, Zufall und Optimismus, durchkalkuliert war dieser Weg jedoch nie.“

„Keine riesigen Investoren“ hinter dem Verein

Den Spekulationen über finanzielle Unterstützung im ungewöhnlichen Ausmaß erteilen sowohl Hornig als auch Faber eine klare Absage. „Die Spieler bekommen, wie in dieser Spielklasse üblich, eine gewisse Aufwandsentschädigung. Allerdings liegt dieses Budget im unteren Drittel der Landesligisten. So etwas wie einen bestimmten Mäzen haben wir nicht“, stellt der Cheftrainer klar. Auch Faber bestreitet die Gerüchte um finanzkräftige Einflüsse hinter dem TVH. „Allgemein wird da viel zu viel gemunkelt. Bei uns gibt es keine riesigen Investoren.“ Spekulationen in eine solche Richtung werden vor allem von Fabers Beruf genährt. Er betreibt das Bergisch-Gladbacher Büro der Steuerberatungsgesellschaft ETL. Sein „Chef“ ist somit Viktoria Kölns millionenschwerer Gönner Franz-Josef Wernze.

Viel eher seien die Gründe für den sportlichen Erfolg der letzten Jahre in der Philosophie des Vereins zu suchen. „In unserem aktuellen Kader stehen immer noch drei Spieler, die bereits seit der Kreisliga C dabei sind. Aus der Kreisliga B-Saison sind es sogar sechs. Vor der jetzigen Spielzeit haben wir ausschließlich Jungs geholt, die 21 Jahre oder jünger sind“, betont Hornig. Zudem achte man darauf, Spieler aus der Region um Herkenrath zu verpflichten. „Ausnahmen sind da nur Dennis Weis und Joshua Schmitt, der uns bereits seit dem 2. Spieltag fehlt. Die beiden kommen aus der Jugend von Viktoria Köln.“

Kinoabende in Bergisch Gladbach

Manfred Faber nennt außerdem das sich stetig weiterentwickelnde, positive Mannschaftsgefüge bei Herkenrath als möglichen Erfolgsfaktor. „Man muss nur einmal bei einer unserer Trainingseinheiten vorbeischauen. Dann sieht man, was bei uns im Vordergrund steht: der Teamgeist. Selbst Ersatzspieler, die bisher kaum eine Minute auf dem Platz gestanden haben, freuen sich für den Rest der Mannschaft.“ Grund für diese mannschaftliche Geschlossenheit dürften auch gemeinsame Freizeitaktivitäten sein, die das Team regelmäßig unternimmt. So kommt es schon einmal vor, dass die Spieler freitagabends geschlossen ins Kino gehen.

Der Mannschaftsgeist wird Herkenrath besonders groß geschrieben. / Foto: Holger Plum

Allgemein geht es in diesen Zeiten beim TV Herkenrath mit viel Freude und Spaß zur Sache. „Angesichts der aktuellen sportlichen Situation sind die Jungs heiß auf jeden Sieg und genießen das Fußballspielen. Auch mir als Trainer macht es riesigen Spaß“, freut sich Hornig. Die Ursache für diese positive Grundstimmung liegt dabei nicht ausschließlich an der Tabellenkonstellation, sondern auch am wachsenden Respekt der anderen Vereine. „Früher wurden wir von vielen belächelt. Inzwischen wird die Arbeit des TVH aber auch von außen anerkannt, das höre ich immer öfter von anderen Trainern. Viele merken wohl, dass die Gerüchte über tausende Euro Quatsch sind.“

Das Interesse wächst und wächst

Trotz dem Überwintern auf Rang eins vermeidet Hornig das Benennen von ambitionierten Saisonzielen wie dem Aufstieg in die Mittelrheinliga. „Vor der Saison gaben wir 40 Punkte als Ziel vor, um die Liga halten zu können. Diese Marke haben wir bald erreicht“, erläutert der 49-Jährige, der sich bewusst ist, dass man ihm dieses Vorgabe nicht mehr lange abkaufen wird. „Obwohl es so gut läuft, formulieren wir erst nach dem Erreichen der 40 Punkte-Marke neue Ziele. Meistens sieht man ja erst nach ein paar Niederlagen in Folge, wie groß der Teamgeist wirklich ist. Deshalb bin ich da vorsichtig.“

Auch Manfred Faber verschwendet keinerlei Gedanken an einen weiteren Meilenstein in den Herkenrather Durchmarsch-Jahren. „Ich bin von meinem Beruf her schon zurückhaltend und sachlich eingestellt. Nichts läge mir ferner, als Spekulationen über einen weiteren Aufstieg.“ Zumal es nicht gesagt ist, dass der TVH eine Saison in der Verbandsliga überhaupt stemmen könnte. „Von unserer Infrastruktur her ist die Mittelrheinliga schwer zu realisieren. Der Verein verfügt weder über Sitzplätze noch über eine angemessene gastronomische Einrichtungen“, erklärt Hornig. Die Unterstützung aus der Umgebung ist dem TV Herkenrath sowieso in jedem Fall sicher. Standen früher wenige Familienangehörige am Kunstrasenplatz in Herkenrath, finden sich inzwischen bis zu 350 Zuschauer bei Heimspielen ein. Für Landesligaverhältnisse eine außergewöhnliche Zahl. Sollte der erstaunliche Durchmarsch andauern, dürfte diese Zahl weiterhin steigen.

Autor: Fabian Feulner

Kommentieren

Vermarktung:

Mehr zum Thema