22.04.2015

Ein Schmuckstück mit Dachschaden

Erkennungsmerkmal der BELKAW-Arena abgerissen.

Eins der schönsten Stadien des rheinischen Amateurfußballs hat sein Wahrzeichen verloren. Dreißig Jahre lang war das „Faltdach“ das Erkennungsmerkmal der BELKAW-Arena an der Paffrather Straße in Bergisch Gladbach. Nun wurde es abgerissen.

Gerade einmal zwei Wochen nach der feierlichen Eröffnung folgte der Schock: Bei einer Routine-Kontrolle wurde festgestellt, dass die 14 Holzleimträger der BELKAW-Arena in Bergisch Gladbach von Pilz befallen und übel durchgefault waren. Die Balken, die die auffällige Dachkonstruktion hielten, zerbröselten dem schleunigst hinzugezogenen Gutachter nahezu zwischen den Fingern, nachdem sie über die ganzen Jahre der Feuchtigkeit ausgesetzt waren. Ein Konstruktionsmangel, der wegen einer Metallabdeckung der Träger eher zufällig, aber immerhin noch rechtzeitig vor einem möglichen Unglück entdeckt wurde. Nur 14 Tage nachdem der 1. FC Köln zur Eröffnung beim SV Bergisch Gladbach 09 gastierte, erhielten Stadt und Verein die bittere Diagnose: Das Stadiondach muss abgerissen werden.

Mitte Februar rückten deshalb die Bagger an und entfernten das Dach von der Haupttribüne des Stadions. „Das ist wirklich schade, denn es war ein Schmuckstück“, trauert Volker Weirich, Leiter des Sportamts in Bergisch Gladbach. Er kennt das Stadion seit seinem Fertigbau, ist seit 14 Jahren beruflich eng mit ihm verbunden. „Doch die Kosten für eine Reparatur hätten die eines Neubaus deutlich überstiegen.“ Satte 560.000 Euro kostet das neue Dach. Die „Falt-Optik“ und damit das charakteristische an der Gladbacher Arena wird auch nach der Fertigstellung nicht mehr zu sehen sein. Die würde nicht nur den Baupreis in die Höhe treiben, sondern auch extrem wartungsintensiv sein und damit weitere laufende Kosten verursachen. Gedanken, die man sich beim Bau des Stadions noch nicht gemacht hatte. „Damals waren die Holzleimträger wohl der aktuelle Stand der Technik. Deshalb ist heute auch keinem mehr ein Vorwurf für den Verfall zu machen“, so Weirich.

Stadion-Neubau nach Frauenfußball-Hype

Nach Karneval wurde die Haupttribüne abgedeckt.

Im Jahr 1986 weihten stolze Gladbacher das Stadion an der Paffrather Straße ein. Der Neubau einer Arena war die logische Konsequenz eines langen Fußball-Hypes der Stadt. Nicht die Herrenmannschaft, aber umso mehr die Damen begeisterten weit über das Bergische Land hinaus und leisteten geradezu Pionierarbeit auf dem Gebiet des Frauenfußballs. Die SSG 09 Bergisch Gladbach war nach neun Meistertiteln in den 70er und 80er Jahren noch bis 2009 Rekordmeister, gewann dreimal den DFB-Pokal und wurde 1981 und 1984 zweimal Weltpokalsieger. Die SSG war das Maß aller Dinge, stellte haufenweise Nationalspielerinnen, auch die heutige Bundestrainerin Silvia Neid spielte im Trikot der Bergisch Gladbacher Damen.

Wie schon im Kreisstadtstadion zuvor wurden auch in der neuen Arena die Finals der Deutschen Meisterschaft der Fußballdamen ausgetragen. 1979, als sich die heimische SSG mit den Frauen des FC Bayern München duellierten, sogar vor ausverkauftem Haus und damit 12.500 Zuschauern. Nach dem Neubau fand das Endspiel allerdings nur noch zweimal, 1986 und 1988, dort statt. Nach dem letzten Meistertitel der 09-Damen 1989 war es auch im Verein mit der Herrlichkeit zu Ende. 1996 wechselte die Mannschaft schließlich geschlossen zum TuS rrh. und die SSG löste sich auf.

Auch wenn das Stadion nie wieder ausverkauft war, zog es weiterhin Woche für Woche viele Zuschauer an. In seiner Regionalliga-Saison 2012/2013 wurde der SV Bergisch Gladbach von durchschnittlich 569 Zuschauern unterstützt, zum 2:1-Heimsieg gegen Rot-Weiss Essen kamen sogar 1.883 Fußballbegeisterte in die BELKAW-Arena. Heute, im tristen Alltag des Oberliga-Mittelfelds, sind es nur noch etwas mehr als 100 Zuschauer, die sich in das große Stadion verirren.

Manchester United, Real Madrid und die brasilianische Nationalmannschaft zu Gast

Das neue Dach wird weniger charakteristisch.

Für die Highlights sorgen andere als die heimischen Klubs. Nicht selten bekommen die Bergisch Gladbacher Besuch von der Creme de la Creme des Weltfußballs, wenn sich Topklubs beispielsweise für Champions League-Partien bei Bayer Leverkusen fit machen. Manchester United, Real Madrid und der FC Chelsea gaben sich an der Paffrather Straße bereits die Ehre. Doch nie hatte sich Bergisch Gladbach und sein Stadion so herausgeputzt, wie als bei der fußball-Weltmeisterschaft 2006 der Titelverteidiger, die Brasilianische Nationalmannschaft, dort ihr Quartier aufschlug und unter dem Faltdach trainierte, dem Faltdach, das es nun nicht mehr gibt.

Direkt nach den Karnevalstagen rückten die Bagger an, um das Dach der BELKAW-Arena abzureißen. Im Mai, so hofft Volker Weirich, ist das neue Dach fertiggestellt. Ein unspektakuläres Pultdach wird es, das laut Weirich „die Arena trotzdem ein Schmuckstück bleiben lässt“. Seit der Sperrung und auch während des Neubaus wird das Stadion aber weiter uneingeschränkt genutzt. Das gilt nicht nur für die Mittelrheinliga-Mannschaft der 09er. Auch die 2009 neugeründete Damenmannschaft 1. FFC Bergisch Gladbach, inzwischen ebenfalls in der Mittelrheinliga angekommen, die Schulen der Stadt sowie viele Leichtathleten, seien sie in einem der Vereine oder Hobbysportler, dürfen Rasen und Tartanbahn nutzen. „Das Stadion steht jedem offen, auch wenn man sich nun bei Sportfesten und größeren Fußballspielen etwas arrangieren muss“, erklärt Weirich. „Nicht nur überdachte Sitzplätze fehlen. Es gibt aktuell zum Beispiel auch keine Sprecherkabine. Aber alle Sportveranstaltungen finden statt und jeder strengt sich an und geht Kompromisse ein.“

Wenn nichts dazwischen kommt, könnte die Sitzplatztribüne dann schon beim letzten Heimspiel des SV 09 in der Oberliga ihr Comeback feiern. Am finalen 30. Spieltag gastiert der „Poldi-Klub“ FC Bergheim 2000 an der Paffrather Straße. Es könnte das nächste Eröffnungsfest der BELKAW-Arena werden. Dann ohne markantes Wahrzeichen, aber dennoch in einem der Schmuckstücke der Mittelrheinliga.

Autor: Daniel Sobolewski

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