Fortuna: Wer ist hier der Boss?

André Poggenborg und Tim Boss teilen sich in dieser Saison das Fortuna-Tor

11. Oktober 2016, 12:32 Uhr

Bei Fortuna Köln herrscht in dieser Saison eine kuriose Situation im Tor: Statt einer klaren Nummer eins gibt es ein Wechselspiel zwischen André Poggenborg und Tim Boss.

Uwe Koschinat hatte es im Rahmen der Sommervorbereitung schon anklingen lassen. Angesprochen auf die Situation im Tor, betonte der Fortuna-Trainer, er werde die Augen nicht vor Leistung verschließen. Und so kam es, dass der erfahrene André Poggenborg, der Mitte September seinen 33. Geburtstag feierte, den Status als klare Nummer eins zum Auftakt dieser Saison verlor. Eine neue Situation in der Südstadt, wo der gebürtige Münsteraner seit der Spielzeit 2012/13 das Tor hütet. Und eine Situation, die – das ist wichtig zu betonen – nichts mit einem möglichen Qualitätsverlust der langjährigen Nummer eins zu tun hat.


Leistungssprung des Herausforderers

Der Grund für die neue Konstellation liegt vielmehr im großen Leistungssprung, den Herausforderer Tim Boss gemacht hat. Das sieht auch der Mann so, der täglich mit den beiden Torhütern der Fortuna zu tun hat: „Fußballerisch war Tim schon immer gut, jetzt hat er unter anderem seine Reichweite vergrößert und wirklich noch mal einen Sprung gemacht“, lobt Torwarttrainer Michael „Toni“ Hafkemeyer­.

Zuletzt in allen drei Heimspielen zwischen den Pfosten: Routinier André Poggenborg. / Foto: Augstein

Der 23-jährige Boss, im vergangenen Jahr Fortunas Pokal-Keeper, hat sich dank guter Leistungen, auch in der Dritten Liga, wo er in der vergangenen Saison zwischenzeitlich von einer Verletzung Poggenborgs profitierte und insgesamt zehn Spiele absolvierte, eine neue Situation herbeigeführt, die im Profifußball eher selten ist: Eine klare Nummer eins wird es bei Fortuna Köln, zumindest vorerst, nicht geben. „Wir haben zwei exzellente Keeper und eine Luxussituation, um die uns die meisten Teams in der dritten Liga beneiden. Das gibt uns die Möglichkeit, je nach Gegner zu entscheiden, wie wir spielen wollen und welcher Torwart besser zu welcher Idee passt“, erklärt Hafkemeyer.

Trifft die Fortuna etwa auf einen tief stehenden Gegner, den es mit einem flachen Aufbauspiel von hinten herauszulocken gilt, dürfte die Wahl angesichts der fußballerischen Qualitäten auf Boss fallen. Gilt es, sich gegen offensivstarke Teams mit robusten Angreifern körperlich zu behaupten, dürfte das Pendel zugunsten von Poggenborg ausschlagen. Optimal für Cheftrainer Koschinat und nur möglich durch die Tatsache, dass sich beide Kontrahenten auf der Linie und in Eins-gegen-eins-Aktionen ähnlich stark präsentieren.

Fairer Wettkampf mit positiven Effekten

Für Herausforderer Boss ist es eine neue Konstellation: „Ich habe so etwas persönlich noch nie erlebt, akzeptiere die Entscheidung aber und versuche, das Beste daraus zu machen“, so der beidfüßig starke Keeper, der seine Sache in den Heimspielen gegen Werder Bremen II (2:0) und Holstein Kiel (1:0) sehr gut machte und auch in Regensburg (2:2) eine ansprechende Leistung bot. „Da ich in der letzten Saison die Ergebnisse durch meine Leistung leider nicht immer beeinflussen konnte, waren die beiden Zu-null-Spiele sehr wichtig für mich, um gleich ein gutes Gefühl zu bekommen“, so der gebürtige Kölner, der sich im Training einen fairen Wettstreit mit dem erfahrenen Konkurrenten liefert. „Wir kommen gut miteinander aus und respektieren uns.“

Ihr Trainer hat durch das Wechselspiel im Tor sogar einen Leistungssprung bei seinen beiden Schützlinge ausgemacht. „Zudem gehen beide sehr professionell mit der Situation um, aber das darf man auch erwarten“, betont Hafkemeyer. Derweil blickt Boss selbstbewusst in die Zukunft. Im Blick hat er einen Faktor, der auf lange Sicht eine Entscheidung im Torwartduell herbeiführen könnte. Eine Komponente, die nicht beeinflussbar ist, für Leistung, gerade auf der Torwartposition, aber auch nicht unbedingt maßgebend sein muss: das Alter. „André hat riesige Verdienste für Fortuna Köln, aber ich habe meine Zeit noch vor mir und kann noch einen großen Schritt machen. Ich konzentriere mich einfach auf mich und meine Leistung.“ Und da dies bei Fortuna Köln beide Torhüter tun, kann Uwe Koschinat mit offenen Augen und guten ­Gewissens an der aktuellen Situation festhalten.

Autor: Stefan Kühlborn

Quelle: Köln.Sport
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