15.03.2015

Heinz Flohe - Der mit dem Ball tanzte

Frank Steffan setzt mit seinem neuen Film Heinz Flohe ein Denkmal.

Das RESIDENZ-Kino auf den Kölner Ringen lieferte am Sonntagmittag einen gebührenden Rahmen für den Anlass. Große Scharen strömten herbei, füllten den Kinosaal mit dem Wunsch, ihren „Flocke“ noch einmal über den Platz wirbeln zu sehen. Die FC-Familie, allen voran Toni Schumacher und Wolfgang Overath, wurden nicht enttäuscht: Frank Steffan ließ Heinz Flohe in seiner 104 minütigen Dokumentation eindrucksvoll wieder aufleben. Eine Huldigung, die mit beeindruckendem Archivmaterial, alle strahlenden Momente eines Ausnahmekönners hervorholt, aber auch die Tragik eines Lebens nach der Karriere zeigt, die durch ein brutales Unglück so jäh beendet wurde.

Es ist eine Zeitreise in die 70er-Jahre des letzten Jahrhunderts. Die Zeit, aus der der 1. FC Köln seine schillerndsten Momente speist. Es ist die Zeit von Overath, Netzer und Beckenbauer. Spielern, die weit über ihre Karriere hinaus, zu den größten Figuren des deutschen Fußballs gezählt wurden. Und es ist die Zeit von Heinz Flohe – dem Spieler, der im Rheinland bewundert, im Rest der Republik aber nahezu vergessen ist. Diesen Umstand nahm Filmemacher Steffan zum Anlass, die Karriere des Spielers dokumentarisch wieder aufzurollen und ins Zentrum eines Werks zu stellen, aus einer Zeit, „in der Borussia Dortmund nicht mit einem 0:0 davon gekommen wäre“. Angesichts der Bilanz aus der goldenen FC-Ära, eine treffende Anspielung auf den letzten Bundesliga Spieltag. Den Briefkopf der Karriere von Heinz Flohe zieren schließlich drei DFB-Pokal Siege, eine Meisterschaft (im Double-Jahr 1978) und dazu noch der Weltmeistertitel von 1974. Im Wechsel mit Bildmaterial, das jeden Fußballnostalgiker freudig jauchzen lässt, kommen Weggefährten, frühere Mitspieler, Familie und prominente Fans zu Wort. So entsteht ein detailliertes und tiefes Bild von einem Fußballer, der nichts mehr liebte, als seinen Sport mit Leib und Seele auszuüben.

Kapitel für Kapitel blättert der Film durch das Leben von Heinz „Flocke“ Flohe. Begonnen bei Jugendjahren in Euskirchen, über seine Anfänge beim 1. FC Köln, bis hin zum gereiften Profi, der sich immer die Nähe zu den Fans bewahrte und auch gerne im Kölner Miljö abtauchte – wenn es die Zeit erlaubte. Dabei blieb „Flocke“ den Medien gegenüber immer der verschlossene Wolf, dem nichts am Bohei der Öffentlichkeit lag. Bei allen emotionalen Bezügen, die Steffan zu Flohe und somit zu seinem Werk hegt, bleibt dem Film immer eine grundlegende Objektivität bestehen, die auch bei schwierigen Facetten Flohes Karriere nicht halt macht. Von Problemen mit Bundestrainer Schön bis hin zum Zerwürfnis mit dem FC unter Trainer Weisweiler – Steffan ließ bei der Arbeit keine Aussparungen zu. So ergibt sich ein Bild über einen Spieler, der seiner Fußballgeneration spielerisch weit voraus war und das menschlich beim Zuschauer unweigerlich Emotionalität weckt. Dem Lachen und Klatschen des Publikums mischten sich gegen Ende des Films auch einige Tränen unter, als die tragische Seite von Flohes Leben erzählt wurde. Ein Beinbruch nahm dem so unbeschwert spielenden Fußballer auf brutale Art und Weise die Karriere und in den Spätfolgen wohl auch das Leben. Ein Leben, das durch Frank Steffans Arbeit nun ein würdiges Denkmal erhalten hat. Ein wunderbarer Film, der „Flocke“ ein letztes Mal tanzen lässt – auch über die Grenzen des Rheinlands hinaus.

Autor: Bernhard Küchler

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