21.12.2018

Herkenraths Untergang trägt viele Namen

Innerhalb weniger Monate gelang es dem TVH-Vorstand und seinen Gehilfen, das Lebenswerk von Mäzen Manfred Faber zu zerstören

Nach dem Aufstieg gab es noch Grund zum Jubeln am Braunsberg / Bild: FB

Quo vadis TVH? Sportlich sind die Schwarz-Weißen in der Regionalliga abgeschlagen und haben nach nur einem Punkt aus den letzten elf Partien mittlerweile 13 Zähler Rückstand zum rettenden Ufer. Zuletzt ging auch das Kellerduell gegen die FC-U21, die bis dahin erst einen Saisonsieg einfahren konnte, verloren. Das geplante Gastspiel in Bonn fiel einem Rabenangriff auf den Rasen zum Opfer. Angesichts der aktuellen Situation rund um den Braunsberg war es vielleicht nicht das Schlechteste, was der Mannschaft passieren konnte. Denn diese wirkte bereits im „Endspiel" gegen den 1. FC Köln II – etwa aufgrund der Hintergründe? - stark verunsichert.

Die Summe der ausstehenden Gehälter soll sich in der Größenordnung von rund 35.000 Euro bewegen; und anstatt sich intern um Ruhe zu bemühen, wählten Vereinsvertreter den Weg an die Presse und trugen somit zusätzlich zur Verunsicherung des Teams bei. Dass unter diesen Umständen mit Beginn der Winter-Transferperiode bereits zahlreiche Spieler, darunter Leistungsträger wie Hamza Salman und Lars Lokotsch, dem Verein den Rücken kehrten, dürfte wenig überraschend sein. Dass weitere Abgänge folgen werden, ebenso wenig.

Doch wo liegen die Ursprünge für diese Misere? Nach dem größten Erfolg der Vereinsgeschichte, der mit dem Regionalliga-Aufstieg und nur dank der Unterstützung von Mäzen Manfred Faber erreicht wurde, begann plötzlich auch der Gesamtvorstand des TV Herkenrath, der die Fußball-Abteilung zuvor recht „stiefmütterlich" behandelt hatte, Interesse an dieser zu entwickeln. Darüber hinaus - sei es aus Selbstüberschätzung oder grenzenloser Naivität - stellten plötzlich auch der Vorsitzende Uwe Tillmann und sein Stellvertreter Karl Wermelskirchen die Rolle Fabers in Frage.

Nicht begünstigt wurde die Situation in diesem Fall dadurch, dass der bisherige Abteilungsleiter Wolfgang Preiss - ob in berechnender Absicht oder vorgeblich gesundheitlichen Gründen - seinen Rücktritt bekanntgab. Der fiel ausgerechnet in die Zeit, als die sportliche Leitung um Mäzen Faber zur Abschlussfahrt auf Mallorca weilte und dem nicht entgegen wirken konnte. So bekam satzungsgemäß ausgerechnet der dem Fussball gegenüber kritisch eingestellte Hauptvorstand die Kontrolle über die Abteilung.

Manfred Faber, ein Unternehmer alter Schule, bei dem auch ein Handschlag noch seine Gültigkeit besitzt, hatte bereits in gutem Glauben die für den Regionalliga-Antritt erforderliche Bürgschaft in Höhe von 35.000 Euro beim WDFV (Westdeutscher Fußballverband) hinterlegt. Seine anschließende Bitte, diese Bar- in eine Papierbürgschaft seitens des TV Herkenrath umzuwandeln, wurde rigoros abgelehnt. Laut Faber sahen Tillmann & Co den Gesamtverein in Gefahr. „Da wollten sie mich das erste Mal betrügen", erinnert sich der Mäzen nur zu gut an den endgültigen Auslöser des Zerwürfnisses.

Dieses führte dazu, dass sich der langjährige Geldgeber und Macher des Erfolgs enttäuscht zurückzog. Ohne dessen finanzielle Unterstützung – schließlich hatte nur diese den Club aus der Kreisliga C nach oben gebracht - schien eine Regionalliga-Zukunft unter realistischen Gesichtspunkten gar nicht mehr möglich.

Doch dann trat mit Walter Convents ein Mann auf den Plan, der ein Konzept vorlegte, mit dem die 4. Liga auch in Eigenregie zu bewerkstelligen sei. Convents war ursprünglich noch von Manfred Faber und dem damaligen sportlichen Leiter Oliver Bonato in den Verein geholt worden, sollte auf Provisionsbasis neue Sponsoren akquirieren.

Den neuen starken Leuten an der Spitze verkaufte er sein Engagement jedoch so, dass für seine Dienste ein Fixgehalt von 1.000 Euro pro Monat plus 15-prozentiger Provision je Abschluss fällig seien. Möglicherweise war Convents am Ende sogar selbst darüber überrascht, dass der Vorstand - der zuvor noch „um die Existenz des Clubs gebangt hatte" - dieses bewilligte.

Autor: Fabian Basdorf

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