15.04.2015

Hoch geflogen, tief gestürzt

Der Auf- und Abstieg von Hilal Maroc Bergheim

Als Josef Pfeiffer vor acht Jahren das Traineramt bei Hilal Maroc Bergheim übernahm, hatte die Mannschaft nur noch sechs Spieler, keine Trikots oder Bälle. Mit einer neuen Mannschaft folgte ein vorher nie geglaubter Aufschwung bis in die Spitzengruppe Mittelrheinliga. Mit dem Beantragen der Lizenz für die Regionalliga folgte der schnelle Absturz.

Durch Kontakte zu Spielern und deren weiterreichende Kontakte schaffte Josef Pfeiffer es, eine neue Mannschaft in Bergheim auf die Beine zu stellen und in die Landesliga aufzusteigen. Damals hätte auch er wohl kaum daran gedacht, dass sich der Eintritt in diesen Verein zu einer Art Lebensaufgabe für ihn entwickeln würde. Nach einer erfolgreichen Saison 2010/2011 und dem Abschließen auf dem dritten Tabellenplatz war für den Trainer klar: „Wir werden aufsteigen.“ In Bergheim wollte keiner so recht an diesen Erfolg glauben, dass ein Provinzverein ohne herausragende finanzielle Mittel und großen Sponsor den Schritt in die Mittelrheinliga schaffen kann. Schlagzeilen aus Bergheim war man eher vom Heimatverein von Lukas Podolski, dem FC Bergheim 2000 gewohnt.

“Wir waren plötzlich Favorit”

„Wir haben einfach richtig gut zusammengehalten“, begründet Pfeiffer die Erfolgsjahre. Das Unmögliche sollte gelingen. An die letzten Minuten des Aufstiegsspiel erinnert sich Pfeiffer so gut, als ob es gestern gewesen wäre und nicht schon gute drei Jahre zurück liegt. „Der Aufstieg hing bis zum letzten Tag am seidenden Faden. Bergisch-Gladbach musste in Wattenscheid gewinnen um in die Regionalliga aufzusteigen, wir spielten gleichzeitig in Rheinbach und mussten ebenfalls die drei Punkte holen. Als wir hörten, dass Gladbach 3:1 in Führung lag, haben wir in nur zehn Minuten vier Tore gemacht und uns so in die Mittelrheinliga geschossen.“ Auch in der Mittelrheinliga sollte der Erfolg dann weiter anhalten. „Wir haben einige Leute dazu geholt und zwischen alten und jungen Spielern gut gemischt.“ „Nachdem wir die ersten Spiele gewonne hatten waren wir plötzlich ein Topfavorit. Wir konnten uns das selber nicht erklären“, erinnert er sich an die goldenen Jahre in Bergheim. Nach dem neunten Spieltag legte Hilal Maroc eine wahre Serie hin und blieb ganze zwölf Partien ungeschlagen. Warum sollte nicht noch mehr drin sein in Bergheim?

Mit dem Lizenzantrag kam der Absturz

Erneut wollte man das scheinbar Unmögliche schaffen und beantragte eine Lizenz für die Regionalliga West; Kostenpunkt 35.000 Euro. Bis zum 25. Spieltag waren es noch drei Punkte, die zu einem sicheren Aufstiegsplatz fehlten. Doch diesmal wurde zu hoch nach den Sternen am Bergheimer Nachthimmel gegriffen. Am vorletzten Spieltag, der Mittelrheinliga verpufften sowohl die Aufstiegsambitionen als auch das Geld, nachdem die letzten vier Saisonspiele verloren gingen. Ein Umstand, der für den Übungsleiter noch heute schwer nachzuvollziehen ist. Seine Vorwürfe wiegen schwer. „Ich habe gemerkt, hier stimmt was nicht. Ich vermute, dass viele Vereine an meine Spieler herangetreten sind und schon für die kommende Saison verpflichtet hatten, indem sie mehr Geld boten. Andere Spieler wussten, dass sie bei einem möglichen Aufstieg in die Regionalliga nicht mithalten können und haben daher einen Gang runter geschaltet, um weiter gutes Geld zu verdienen“, erklärt sich Pfeiffer den verpatzten Aufstieg. Daran, dass es vielleicht qualitativ und spielerisch nicht hingehauen hatte, verschwendet der ehrgeizige Trainer keinen Gedanken. Er zog die Reißleine und krempelte die gesamte Mannschaft um. Kein Spieler, der noch „bei einer Niederlage gegrinst hatte“, wurde gehalten. Durch die sportliche und persönliche Enttäuschung zog sich Pfeiffer aus der Trainerrolle zurück in den Hintergrund und übernahm die sportliche Leitung. Igor Lazic sollte den Erfolg zurück nach Bergheim bringen. „Ein großer Fehler“, gesteht sich Pfeiffer heute ein. Auf die Erfolgswelle in der ersten Mittelrheinligasaison folgte eine Negativserie, die Pfeiffer wieder dazu veranlasste, die Übungsleiterrolle zu übernehmen. Das er dem neuen Trainer nach nur zwei Spielen vielleicht zu wenig Zeit und Vertrauen gegeben hat, möchte er nicht hören. „Lazic hat uns zurück geworfen, ich muss es jetzt wieder aufholen und habe dafür auch gerne einen Abstieg in der vergangenen Saison in Kauf genommen.

“Wir werden nicht absteigen”

Auch zurück in der Landesliga ist nichts von den alten Glanzzeiten der Mannschaft zu beobachten. „Eine komplett neue Mannschaft aus vielen internationalen Spielern“ hat nicht den gewünschten Erfolg erzielt. Zu viele Kommunikationsprobleme hatten den guten Start in die Landesliga vermasselt. In der Winterpause wurde daher erneut ein neues Team zusammengestellt. Die „beschissene Lage“ ist Pfeiffer bewusst, aber für ihn zählt es nach dem zweiten Umbruch, „ehrliche Spieler in der Mannschaft zu haben“. Besonders viel Vertrauen setzt Pfeiffer hier nach guten Erfahrungen mit Norikazu Murakami in seine japanischen Spieler. „ Japaner haben Talent, Disziplin, leisten ehrliche Arbeit und lehnen sich auch preislich nicht so weit aus dem Fenster.“ Gedanken an einen möglichen Abstieg verdrängt Pfeiffer so gut es geht, auch wenn mit dem Wechsel von Murakami zum 1. FC Lokomotive Leipzig eine wichtige Stütze verloren geht.Und auch ein Übersetzer für die Neuzugänge aus Japan, „die erst jetzt beginnen Deutsch zu lernen“, fehlt noch. Das Wir-Gefühl könnte bei der komplett umgekrempelten Mannschaft erneut auf der Strecke bleiben. Pfeiffer geht hingegen so weit, mit dem neuen Team schon weiter in die fernere Zukunft zu blicken. „Wir haben eine Qualitätssteigerung von mehr als fünfzig Prozent. Die Jungs werden marschieren und dann werden wir alles langsam und beständig wieder aufbauen.“ Ob Pfeiffer hier mit seinen Voraussagungen wie in der Saison 2012 richtig liegt, bleibt abzuwarten. Sollte ein Klassenerhalt nicht gelingen, schließt Pfeiffer es nicht aus, „sich freiwillig“ aus seinem Lebenswerk zurück zu ziehen. Das Pfeiffer nach all den Jahren und Achterbahnfahrten loslassen kann, ist nur schwer vorstellbar.

Autor: Sophie von Hall

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