19.02.2016

SV Alemannia: Saison-Sperre für Trainer-Bruder

Spruchkammer urteilt über abgebrochene Partien der Kreisliga D2.

Die Saison ist gerade einmal zur Hälfte rum, doch der SV Alemannia Köln war bereits zweimal in Spielabbrüche verwickelt: Die Partien bei der Reserve des SV Botan Köln sowie beim SC Blau-Weiß Köln IV konnten jeweils nicht über 90 Minuten zu Ende gespielt werden. Jetzt hat die Spruchkammer ihre Urteile bekannt gegeben. 

Im Spiel gegen Botan lag es vor allem an einem Spielermangel der Hausherren, der den Abbruch herbeigeführt hatte. „Wir lagen 2:1 in Führung“, erinnert sich Alemannia-Trainer Vedat Celik. „Botan hatte nur zu zehnt begonnen und verletzungsbedingt noch weniger Spieler auf dem Platz, als die Begegnung schließlich abgebrochen wurde. Dass wir die Punkte nun zugesprochen bekommen haben, ist nur logisch.“

Unübersichtlicher wird es in Sachen SC Blau-Weiß Köln IV gegen SV Alemannia Köln. Eigentlich bot die Begegnung aus spielerischer Sicht genug Spannung: Nachdem die Hausherren in Front lagen, kam der SV Alemannia noch einmal ran und konnte zum 2:2 ausgleichen. Eine spannende Schlussphase schien garantiert – doch der Fußball wurde zur Nebensache. In der 77. Spielminute war es nach einem Freistoß zu einer Rangelei gekommen, die eskalierte: Zunächst bildete sich ein großes Rudel der Spieler, ein SCBW-Spieler soll einem Gegenspieler durch das Gesicht gewischt haben. Dann rannten Trainer und Ersatzspieler der Gäste mit auf den Platz und die Situation wurde immer unübersichtlicher. 

Strafe betrifft beide Mannschaften

Der Schiedsrichter zog schließlich die Konsequenz und brach die Begegnung ab. Nun hat die Spruchkammer ein Urteil verfasst, das beide Teams einbezieht: Die Punkte werden den Hausherren von Blau-Weiß zugesprochen, die Übeltäter auf beiden Seiten bestraft. Der SC Blau-Weiß muss acht Wochen auf seinen Spieler verzichten. Trainer Frederik Amecke-Mönnighoff hält das für angemessen. „Sicher ist das für uns eine harte Strafe. Aber unser Spieler ist zu Recht bestraft worden. Ich habe zwar nicht genau gesehen, was passiert ist, aber es soll ein Wisch durchs Gesicht gewesen sein und das gehört sich nicht. Deshalb geht die Sperre in Ordnung.“ Der Gegner sei in der Folge jedoch extrem aggressiv geworden, weshalb der Trainer das Urteil als gerecht einstuft.

Auf Seiten der Alemannia ist die Saison für Vahit Celik hingegen gelaufen. Der Offensivspieler wurde wegen Beleidigung und Bedrohung des Schiedsrichters für die kommenden vier Monate gesperrt und ist damit erst nach Saisonende wieder spielberechtigt. „Der Schiedsrichter hatte sich bereits etwas vom Rudel entfernt, unser Spieler war auf ihn zugegangen und hatte ihm an den Kopf geworfen, die Situation besser im Griff haben zu müssen“, erklärt der Trainer, der gleichzeitig auch Bruder des Verurteilten ist, seine Sicht auf die Geschehnisse. „Für ihn ist das besonders bitter, weil er lange verletzt war und sich sehr gefreut hat, endlich wieder auf dem Platz zu stehen.“ 

Alemannia will Urteil anfechten

Deshalb wird die Alemannia das Urteil in der derzeitigen Form nicht hinnehmen, bekräftigt der Übungsleiter. Um die Punkte sei es schade – aber viel wichtiger ist die langwierige Sperre. „Ich möchte nicht noch mehr Staub aufwirbeln, das Thema hat mir schon genug Kopfschmerzen bereitet. Aber zumindest gegen die Sperre von meinem Bruder werden wir vorgehen, weil wir sie – gerade im Vergleich zu der Strafe des Blau-Weiß-Spielers – für unangebracht und überzogen halten.“

Konsequenzen innerhalb der Mannschaft gab es (vorerst) keine. Dafür aber eine saftige Ansprache des Trainers. „Natürlich habe ich mit den Spielern gesprochen und mit Konsequenzen innerhalb des Vereins, beispielsweise mit Kündigungen, gedroht. So etwas darf nicht nochmal vorkommen.“ Die Stimmung für die Rückrunden-Begegnung der beiden Kontrahenten dürfte entsprechend aufgeheizt sein. Doch Amecke-Mönnighoff beschwichtigt: „Die Spieler der Alemannia haben bei der Spruchkammer-Sitzung einen sehr korrekten und sympathischen Eindruck hinterlassen. Wir werden sehen, wie das Rückspiel läuft. Damit beschäftigen wir uns erst, wenn es soweit ist.“

Autor: Judith Zacharias

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