30.06.2018

"Uns ist brutale Qualität weggebrochen"

Aachens Trainer Fuat Kilic im Reviersport-Interview.

Bild: Ralph Augstein

14 Zu- und 17 Abgänge: Der Umbruch bei Alemannia Aachen ist sehr groß ausgefallen. Wir haben mit dem Trainer und Sportlichen Leiter Fuat Kilic (45) über die Veränderungen gesprochen

Fuat Kilic, wie kam es zum plötzlichen Transfer von Junior Torunarigha zum polnischen Erstligisten Zaglebie Sosnowiec?
Die Polen haben Junior schon länger beobachtet, darüber war ich informiert. Als das Angebot für ihn reinflatterte, konnten wir ihm diese wohl einmalige Chance nicht verbauen. Junior hat hier tolle Arbeit geleistet und wurde jetzt mit einem Vertrag in der ersten Liga belohnt.

Hätten Sie diese Leistungsexplosion von Torunarigha erwartet?
Als Junior zu uns kam, hat er in seiner Karriere nie mehr als vier Tore in einer Saison geschossen, wenn ich mich nicht irre. Er war immer ein Spieler, der alles gegeben und sich für die Mannschaft zerrissen hat. Hier hat er sich in der vergangenen Spielzeit weiterentwickelt und meine Empfehlungen und Ratschläge angenommen und sich auch mit neun Toren und einigen Vorlagen für seinen hohen Aufwand belohnt.

Laut unseren Informationen wird Aachen rund 50.000 Euro an diesem Transfer verdienen. Ist das richtig?
Über die Ablösesumme wurde zwischen beiden Klubs Stillschweigen vereinbart und so soll das auch bleiben.


Torunarigha, Nils Winter, Tobias Mohr und Mergim Fejzullahu haben die Alemannia verlassen. Alles absolute Leistungsträger. Ist die Mannschaft denn viel schwächer geworden?
Ich würde es anders ausdrücken: Uns ist brutale Qualität weggebrochen. Aber auf der anderen Seite muss man auch als Alemannia Aachen stolz darauf sein, wohin die Jungs gewechselt sind. Mergim wollte vor zwei Jahren noch mit dem Fußball aufhören und spielt demnächst in der 3. Liga in Braunschweig. Tobias ist ein Aachener Junge und wechselt in die 2. Bundesliga zu Fürth. Nils war drei Jahre hier und zuletzt unser Kapitän, ein absolutes Vorbild. Er wird in Elversberg gutes Geld verdienen. Und Junior. Er wechselt in die erste polnische Liga. Also heißt das auch, dass hier in Aachen gute Arbeit geleistet wird. Wir können Spieler besser machen, weiterentwickeln. Das haben auch unsere Neuzugänge gesehen. Jungs wie Robin Garnier, Steven Rakk oder Sebastian Schmitt, Manuel Glowacz, Mahmut Temür, Marco Müller, um einige der Neuzugänge zu nennen, bringen einiges an Qualität mit und wollen hier noch einmal einen Schritt nach vorne machen. Dabei werden wir den Spielern so gut wie wir können behilflich sein.

Nochmal die Frage: Ist der Alemannia-Kader nun besser oder schwächer geworden?
Unser Kader ist anders aufgestellt als im Vorjahr. Wir haben meiner Meinung nach spielerisch zugelegt und die Altersstruktur ist auch eine andere - eine bessere, wie ich finde. Wir haben eine richtig gute, homogene Mannschaft beisammen, mit der ich sehr zufrieden bin.

Was ist mit dieser Mannschaft drin? Kann die Alemannia oben mitspielen?
Wir wollen gar keine Platzierung als Ziel ausgeben. Unser primäres Ziel ist es, nach dem großen Umbruch eine Einheit zu werden und weiterhin eine Euphorie zu entfachen. Wenn wir die Fans mitnehmen können, dann werden wir viel Spaß haben. Unsere tollen Zuschauer sollen sich erneut mit der Mannschaft identifizieren können. Wir arbeiten daran, dass es so sein wird. Wenn Mannschaft und Fans zusammenhalten, dann können wir eine gute Saison spielen.

Daniel Zeaiter (MSV Duisburg), Leon Tigges (VfL Osnabrück) und Niklas Jakusch (TuS Erndtebrück): Das sind die drei neuen Torhüter. Wer ist eigentlich die Nummer eins?
Wir haben Daniel Zeatier recht frühzeitig angefragt und ihm zu verstehen gegeben, dass wir ihn als Nummer eins in unserem Tor sehen wollen. Er muss das jetzt in der Vorbereitung mit Leistung bestätigen. Diesen Anspruch hat er auch. Daniel weiß, dass mit Niklas und Leon zwei Mann dahinter sind, die auch spielen wollen. Es gibt bei uns keine Freifahrtscheine. Am Ende entscheidet die Leistung.

Werden Sie nach dem Torunarigha-Abgang eventuell noch nachlegen?
Eventuell. Aber wir stehen da nicht unter Druck. Wir hatten in der vergangenen Woche mit Guyon Philips, einen Mittelstürmer vom holländischen Zweitligisten FC Oss, im Training. Er wird zum Wochenende wiederkommen. Das ist ein interessanter Junge, den wir uns noch anschauen werden. Zudem schauen wir uns noch nach einem linken Innenverteidiger, sowie linken Außenverteidiger um. Wir sind mit einigen Kandidaten für diese Positionen in Gesprächen.

Quelle: Krystian Wozniak / RevierSport

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