08.02.2015

Vom Spielball zum Spielverderber

Fortuna schießt Tabellenführer Bielefeld mit 3:0 aus dem Südstadion

Schon nach der Hälfte der zu absolvierenden Spielzeit geriet Uwe Koschinat ins Schwärmen. „Das waren die besten 45 Minuten seitdem ich hier Trainer bin“, krächzte der Coach in der Halbzeit mit gewohnt angegriffener Stimme bei der Kurzanalyse am Seitenrand des Spielfeldes ins Mikro des Stadionsprechers. Als dann die volle Distanz zurückgelegt war, konnte der Fußballlehrer der Fortuna endgültig einen Haken hinter einen fulminanten Auftritt seiner Elf machen. Mit 3:0 fegten die Kölner die favorisierte Bielefelder Arminia vor 4.921 Zuschauern aus dem Südstadion. Der Tabellenführer der 3. Liga war überraschend gestürzt.

Nach dem Schlusspfiff klang Koschinats ausführlichere Analyse dann so: „Wir haben einen klaren Plan verfolgt. Und der lautete: Nach vorne verteidigen mit einer enorm hohen Laufbereitschaft. Wir hatten uns vorgenommen, das Spiel in den ersten 20 Minuten so anzugehen, als ob danach Schluss wäre. Wir haben der Arminia damit den Rhythmus genommen und danach hat das Spiel eine Eigendynamik angenommen. Bis zum 3:0 mussten wir keine gefährlichen Situationen überstehen. Man sieht eine Entwicklung bei der Mannschaft. Im Hinspiel in Bielefeld waren wir ab der 15. Minute ein Spielball. Da waren wir nicht konkurrenzfähig gegen eine absolute Spitzenmannschaft. Und deswegen bin ich hoffnungsfroh, dass wir unser Ziel den Klassenerhalt erreichen werden.“

Traumtor per Direktabnahme von Neuzugang Glockner

Für den gesperrten Tobias Fink spielte Kusi Kwame souverän auf der linken Abwehrseite. Die Neuzugänge Julius Biada und Andreas Glockner beackerten mit Erfolg die offensiven Außenbahnen. Daniel Flottmann und Florian Hörnig degradierten den Torjäger der Gäste zu einem (Trauer-)Klos. Und Markus Pazurek ließ David Ulm, den Spielmacher der Ostwestfalen, nie zur Entfaltung kommen. Es war eine geschlossene Leistung. Auch Thomas Kraus, der für den verletzten Thiemo-Jerome Kialka wieder in die Startelf durfte, rannte sich wie gewohnt die Zunge aus dem Leib. Und der Stürmer wurde für seinen unermüdlichen Einsatz mit einem Assist belohnt. Kraus Flanke von rechts nahm Glockner direkt aus 18 Metern und ließ es in Arminias Kasten mit einem satten Schuss zum 1:0 (28.) in die lange Ecke klingeln. „Ich habe am Dienstag schon im Training gesehen, was der Andy für Qualitäten hat, aber das er ihn dann so reinhaut, ist natürlich auch gut für mich“, freute sich Kraus. Auch der Trainer kam somit natürlich um ein Statement zu seinem Neuen nicht herum. „Der Andreas hat sofort eine führende Rolle in der Kabine übernommen. Dass ist wichtig, dass du Spieler hast, die mit herausgestreckter Brust auf den Platz gehen. Wenn er die heutige Leistung konservieren kann, dann wird er uns sicher helfen, die schweren Verluste von Andersen und Kessel aufzufangen.“ Der Hochgelobte gab sich dann selber eher bescheiden: „Wir wollten ein sehr unangenehmer Gegner sein, das haben wir sehr gut umgesetzt. Ich bin froh, dass ich meinen Teil dazu beitragen durfte. Tommy sieht in dem Moment, dass ich am langen Pfosten frei bin, und da gab es eigentlich nicht viel zu überlegen. Ich habe probiert den Ball aufs Tor zu bringen, dass er dann so rein geht, freut mich umso mehr.“

Der Ex-Bielefelder Rahn setzt am Ende noch einen drauf

Und was war mit Arminia? Da kam wenig bis gar nichts. Der Aufstiegsaspirant machte es dem Abstiegskandidaten leicht. Ob es an der fehlenden Spielpraxis im ersten Spiel nach der Winterpause lag, sei mal dahin gestellt. Faktisch war es aber in allen Belangen und allen Mannschaftsteilen eine ernüchternde Darbietung. Da musste auch Norbert Meier eine Faust in die Tasche machen: „Der Sieg von Fortuna ist hochverdient. Sie haben uns mit ihren Möglichkeiten vorgemacht, wie man so ein Spiel angehen muss. Wir wollten es spielerisch lösen, das ist aber heute nicht möglich gewesen.“ Im neunten Spiel in Serie stand die Festung Südstadion. Auch die Ostwestfalen konnten sie nicht stürmen. Schon acht Minuten nach der Pause stellte der Tabellenelfte die Weichen endgültig auf Sieg. Eine Hereingabe von Johannes Rahn verwertete Hamdi Dahmani aus kurzer Entfernung zum 2:0. „Wir wollten von Anfang an Gas geben, die Bielefelder beeindrucken, das haben wir geschafft. Wenn wir verloren hätten, hätten einige geglaubt, dass wir durchgereicht werden. Wir haben heute eindrucksvoll das Gegenteil bewiesen. 3:0 ist ein schönes Ergebnis. Es läuft“, sagte Dahmani lächelnd nach seinem vierten Saisontreffer. Und das Grinsen wurde noch breiter bei allen Beteiligten als in der 78. Minute ausgerechnet der Ex-Bielefelder Johannes Rahn den 3:0-Endstand nach einem missglückten Schussversuch von Kwame freistehend erzielte. „Das war ein rundum gelungener Auftritt. Als Fortuna-Fan kann man heute stolz sein. Ich bin es auch, auf die Mannschaft. Wenn ich mir gegen so einen Gegner und vor so einer Kulisse einen Spielverlauf hätte wünschen können, dann genau so. Wenn wir weiterhin immer alles so rausknallen, dann spielt keiner gerne gegen Fortuna Köln“, unterstrich Thomas Kraus.

Autor: Stefan Kleefisch

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