16.09.2015

„Weißt du wo ich wohne? Ich wohne in der Zone!“

Laberthier labert hier über denkwürdige Kölner Fußballklatschen mit vier Toren Unterschied.

Der Profifuppes in Köln hat ein übles Wochenende hinter sich. 1:5 und 2:6 lauteten die Ergebnisse der Abreibungen, die sich der FC in Frankfurt und die Fortuna daheim gegen Dynamo Dresden abholten.  Da war es für euren Laberthier nur wenig tröstlich, dass die Bunsenbrenner aus Leverkusen auch den Kürzeren zogen. Darmstadt 98 kampfsaut sich weiter „scheiße gut“ durch die Bundesliga, wie Uwe Koschinat neulich treffend meinte.

Keinen Treffer landete der Fortuna-Coach dafür mit der Startelf für den Kick gegen die Übelbeleumundeten aus Sachsen. Die Nichtberücksichtigung von Körperharten –allen voran Pazurek – und stattdessen das Vertrauen in … tja was? Antipazureks? Körperweiche? … jedenfalls die Aufstellung mit Dahmani und Schröder, dazu einem irgendwie lustlos wirkenden Rahn und einer Innenverteidigung, der man bei der samstäglichen Extragewinnausschüttung in Gottes Großer Gaben-Lotterie mehr Glück bei der Vergabe von Handlungs- und Antrittsschnelligkeit gewünscht hätte, entpuppte sich als Anfang von einem Ende, das richtig weh tat und sich bequem in ein Tütchen schlimmer und schlimmster Befürchtungen rollen lässt.

Nach zehn Minuten durfte Poggenborg-Ersatz Tim Boss den Ball bereits zweimal aus dem Netz fischen – Fernschuss und Kopfball nach Ecke –, was bis dahin auch kein Ausweis sonderlich tollen Torwartspiels war, ehe er mit seinem ersten Ballkontakt im Spiel zu einer Serie ansetzte, die immerhin dafür sorgte, dass die Nummer bis zur Halbzeit nicht schon so sehr durch war wie viereinhalb Stunden später beim FC in Frankfurt.

Zum Komplettdebakel wurde es erst nach dem Wiederanpfiff, auf ein deutliches 0:4 hatte Dynamo den Spielstand nach einer Stunde hochgeschraubt. Auch für den Thrill, der doch noch aufkam, sorgten die Dresdner. Genauer die Fans auf der rammelvollen Nordtribüne, die ihre Kölsch-Sproch-Kompetenz unter Beweis stellten und den Sparkassenspruch auf der ausrangierten Anzeigetafel wörtlich nahmen: Für üch do.

Im Rubbedidupp kletterten drei von ihnen mitsamt Zweihundertquadratmeter-Transparent auf das Dach der Anzeige-Ruine und ließen aus luftiger Höhe die Riesenfahne herunter, die fortan die Sparkassenwerbung verdeckte. Freunde des Fuppes, so geht ‚wir machen das mit dem Fähnchen‘!

Imposant sah das aus, man muss es einfach sagen, auch wenn man mit dem Fanvölkchen aus der Flüchtlingshölle Sachsen ansonsten nix am Hut hat. Genauso imposant wie der Kanon, den sie zum Ende anlässlich des fünften Treffers ihrer Truppe intonierten, mit fein zeitversetztem Einsatz der zweiten Stimme. Oder dem Evergreen in der Kategorie Sing, mei Sachse, sing: „Weißt du wo ich wohne? Ich wohne in der Zone“.

Tja, das Wohnen und die Zone. Und die Fortuna. Eurem Laberthier will zweierlei nicht in den Kopp.

 Dass man nach dem Zwischenspurt in der englischen Woche mit sieben Punkten aus drei Spielen so brutal ausgeweidet worden ist mit der Folge, jetzt wieder hautnah Kontakt zu haben zu den Plätzen, auf denen man am Ende nicht landen will. „Weißt du, wo ich wohne?“, heißt es jetzt wieder, „an der Abstiegszone.“

Und dass einen das komische Gefühl beschleicht, dass ein solches Abschmieren auch Kopfsache ist. Wohlgemerkt nicht bei allen, Biada und Königs vorne oder Engelman bei der Fünf-Gegentore-Kur vom Samstag zum Beispiel ausgenommen. Aber doch, vielleicht, bei gewissen Körperweichen? Ein bisschen erspieltes Punktepolster genügt, und schon gibt’s mit bedenklicher Regelmäßigkeit den Nackenschlag. Immer dann, wenn alle eigentlich denken, jetzt geht mal was in Richtung Trauminsel einstelliger Tabellenplatz, kommt der Mann für den Strom und zieht den Stecker.

Weißt du, wo ich wohne? Hoffentlich nicht in der Komfortzone.

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