Die Ordnung Odonata
Alle Libellen der Welt werden in der Ordnung Odonata zusammengefasst. Der Name leitet sich vom griechischen Wort odon ab, was „Zahn" bedeutet. Damit sind nicht etwa Zähne im Mund gemeint, sondern die gezähnten Mundwerkzeuge, mit denen Libellen ihre Beute festhalten – sowohl die ausgewachsenen Tiere als auch die Larven besitzen diese beeindruckenden Werkzeuge.
Die drei Unterordnungen
Die Ordnung Odonata gliedert sich in drei noch heute existierende Unterordnungen:
Kleinlibellen (Zygoptera)
Die Kleinlibellen bilden die artenreichste Unterordnung. Sie zeichnen sich durch ihren zierlichen Körperbau aus, und ihre Augen stehen weit auseinander. In Ruhe legen die meisten Arten ihre Flügel über dem Körper zusammen. Vorder- und Hinterflügel sind nahezu gleich geformt.
Im deutschsprachigen Raum finden sich Vertreter folgender Familien:
- Prachtlibellen (Calopterygidae)
- Teichjungfern (Lestidae)
- Schlanklibellen (Coenagrionidae)
- Federlibellen (Platycnemididae)
Großlibellen (Anisoptera)
Großlibellen sind kräftiger gebaut, und ihre Augen berühren sich meist auf dem Scheitel. In Ruhe halten sie ihre Flügel seitlich ausgebreitet. Die Hinterflügel sind deutlich breiter als die Vorderflügel – daher der Name Anisoptera (ungleiche Flügel).
Familien im deutschsprachigen Raum:
- Edellibellen (Aeshnidae)
- Quelljungfern (Cordulegastridae)
- Falkenlibellen (Corduliidae)
- Flussjungfern (Gomphidae)
- Segellibellen (Libellulidae)
Urlibellen (Anisozygoptera)
Diese dritte Unterordnung ist ein lebendes Fossil. Heute existiert nur noch eine Familie (Epiophlebiidae) mit wenigen Arten in Japan und dem Himalaya. Diese Libellen vereinen Merkmale von Groß- und Kleinlibellen und geben uns einen Einblick in die Entwicklungsgeschichte dieser faszinierenden Insektengruppe.
Groß- und Kleinlibelle – ein Missverständnis
Ein häufiger Irrtum: Die Bezeichnungen „Großlibelle" und „Kleinlibelle" beziehen sich nicht auf die Körpergröße. Die größte Kleinlibelle – die Blauflügel-Prachtlibelle mit etwa 50 mm Körperlänge – ist größer als manche Großlibelle wie die Schwarze Heidelibelle mit nur 35 mm.
Der Unterschied liegt in der Anatomie, nicht in den Maßen. Wenn Sie eine Libelle beobachten, achten Sie auf die Augenstellung und die Flügelhaltung in Ruhe – damit können Sie sofort zwischen Groß- und Kleinlibelle unterscheiden.
Weltweite Vielfalt
Weltweit sind etwa 5.500 bis 6.500 Libellenarten beschrieben. Die genaue Zahl lässt sich schwer festlegen, da ständig neue Arten entdeckt werden, manche sich als Synonyme herausstellen und andere in mehrere Arten aufgespalten werden.
Die meisten Arten leben in den Tropen. Mit zunehmender geografischer Breite nimmt die Artenzahl ab. In Europa kommen etwa 120 Arten vor, im deutschsprachigen Raum sind es rund 80 bis 85 Arten.
Die deutschen Namen
Die deutschen Bezeichnungen für die Unterordnungen, Gattungen und Arten gehen größtenteils auf den Entomologen Hans Schiemenz zurück, der 1953 ein grundlegendes Werk über „Die Libellen unserer Heimat" veröffentlichte. Seine Namensgebung hat sich weitgehend durchgesetzt und wird bis heute verwendet.
Die Familien im Überblick
Kleinlibellen (Zygoptera)
| Familie (deutsch) | Familie (wissenschaftlich) | in D/A/CH |
|---|---|---|
| Prachtlibellen | Calopterygidae | ✓ |
| Teichjungfern | Lestidae | ✓ |
| Schlanklibellen | Coenagrionidae | ✓ |
| Federlibellen | Platycnemididae | ✓ |
Großlibellen (Anisoptera)
| Familie (deutsch) | Familie (wissenschaftlich) | in D/A/CH |
|---|---|---|
| Edellibellen | Aeshnidae | ✓ |
| Quelljungfern | Cordulegastridae | ✓ |
| Falkenlibellen | Corduliidae | ✓ |
| Flussjungfern | Gomphidae | ✓ |
| Segellibellen | Libellulidae | ✓ |
Auf den Seiten zu den Arten in D, A, CH finden Sie Übersichten aller im deutschsprachigen Raum vorkommenden Libellenarten.